Motorsport Motorrad: Bradl: "Wie wenn ein Familienangehöriger stirbt"

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Bradl: "Wie wenn ein Familienangehöriger stirbt"

Beim Großen Preis von San Marino verunglückte der Japaner Shoya Tomizawa tödlich. Moto2-Pilot Stefan Bradl zeigte sich wenige Minuten nach der Todesnachricht tief betroffen.

Der Tod des japanischen Piloten Shoya Tomizawa nach einem Sturz beim Großen Preis von San Marino in Misano hat die Motorrad-Welt schockiert. Der Sport-Informations-Dienst (SID) sprach wenige Minuten nach der Todesnachricht mit dem deutschen Moto2-Piloten Stefan Bradl.

SID: "Herr Bradl, wie haben Sie die Nachricht vom Tode Tomizawas aufgenommen?"

Stefan Bradl: "Ich habe es von meinem Team erfahren und erst einmal gehofft, dass es nicht stimmt. Nun stehe ich unter Schock. Mein fünfter Platz ist mir völlig egal, auch wenn es ein tolles Rennen war. Das ist, wie wenn ein Familienangehöriger stirbt. Schließlich habe ich ihn gekannt. Schon nach dem Rennen war meine erste Frage, wie der Unfall ausgegangen ist. Jetzt fehlen mir fast die Worte."

SID: "Wie groß ist die Betroffenheit im Lager?"

Bradl: "Sehr groß. So etwas spricht sich schnell herum. Die Betroffenheit ist groß. Letzte Woche in Indianapolis ist schon der 13-jährige Peter Lenz gestorben, zwar in einer anderen Klasse, aber bei derselben Veranstaltung."

SID: "Was für ein Mensch war Tomizawa?"

Bradl: "Ein sehr lustiger und lebensfroher. Ein gar nicht typischer Japaner, eher ein europäischer. Er hat immer viel Spaß gehabt und viel Spaß gemacht. Und er war ein sehr schneller Rennfahrer."

SID: "Es war der erste Unfall mit Todesfolge, seit Sie in der WM fahren. Ändert das Ihre Sicht auf den Motorradsport?"

Bradl: "Als zuletzt Daijiro Kato 2003 gestorben ist, habe ich das als 13-Jähriger vor dem Fernseher verfolgt. Das war schon sehr schlimm. Nun zwei Todesfälle in einer Woche, das ist unglaublich, einfach nur tragisch. Es steht zwar überall geschrieben, dass Motorsport gefährlich ist. Aber in so einem Moment wird alles andere unwichtig."

SID: "Muss man sich nach diesen beiden Unfällen Gedanken über die Sicherheit im Motorradsport machen?"

Bradl: "Ich denke, es müssen sich alle an einen Tisch setzen und überlegen, ob man etwas tun kann. Die Sicherheit der Fahrer hat absolute Priorität."

SID: "Hätte man diesen tödlichen Unfall verhindern können?"

Bradl: "Der Unfall ist genau auf der gegenüberliegenden Seite des Helikopters passiert. Vielleicht nutzt es was, wenn man künftig zwei Rettungshubschrauber an die Strecke stellt. Aber ich weiß nicht, ob das Shoya hätte helfen können."

© SID

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