Motorsport Motorrad
Motorradpilot Bradl peilt WM-Titel an

Motorradfahrer Stefan Bradl hat 2009 den WM-Titel in der 125-ccm-Klasse im Visier. Und der 19-Jährige würde gerne einmal ein Auto aus der Formel 1 oder dem Rallye-Bereich testen.

Auch Deutschlands bester Motorradfahrer Stefan Bradl würde gerne mal fremdgehen. "Wenn ich die Gelegenheit hätte, ein paar Runden in einem Formel-1-Auto zu drehen, würde ich keine einzige Sekunde zögern. Das wäre sicher ein tolles Erlebnis", sagte Bradl dem sid.

Auch für ein Gastspiel in einem Rallye-Auto nach Vorbild des achtmaligen Motorrad-Weltmeisters Valentino Rossi (Italien), der bereits mehrfach den Formel-1-Boliden von Ferrari getestet und auch Erfahrung in der Rallye-WM hat, wäre Bradl Feuer und Flamme: "Rallye-Fahren ist schon knüppelhart, aber keine Frage: Auch das würde ich sofort ausprobieren."

Um Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher, der am Mittwoch einem spektakulären Motorrad-Sturz nur leicht verletzt überstand, macht sich der 19-jährige Bradl keine Sorge. "Es macht ihm ganz offensichtlich Spaß, und er ist clever genug, kein Risiko einzugehen", sagte der Bayer: "Außerdem sind seine Gastspiele toll für unseren Sport. Am Mittwoch das war nur ein kleiner Sturz. Es wird zwar gesagt, er sei kurz bewusstlos gewesen, aber das war ich nach Stürzen schon ein paarmal."

Bradl will den Titel

Zudem kündigte Bradl an, 2009 den ersten deutschen WM-Titel seit 16 Jahren einfahren zu wollen. "Der Titel ist natürlich ein Thema, und er ist möglich", sagte der WM-Vierte des Vorjahres in der Klasse bis 125 ccm bei der Präsentation seines Teams Kiefer am Freitag auf dem Hockenheimring dem sid: "Zwar hängt der Erfolg von vielen Dingen ab. Man muss verletzungsfrei bleiben, und die Technik muss stimmen, aber ich bin optimistisch."

Im Vorjahr hatte der 19-Jährige seine ersten beiden Grand-Prix-Siege in der Klasse bis 125 ccm eingefahren. Den bisher letzten deutschen WM-Titel holte 1993 Dirk Raudies, ebenfalls in der Achtelliterklasse.

Trotz Schnee und einer Asphalttemperatur von minus sechs Grad bei der Präsentationsrunde sehnt der Sohn des ehemaligen Vize-Weltmeisters Helmut Bradl den Saisonstart herbei: "Es kribbelt und brodelt wie wahnsinnig und es wird Zeit, dass es losgeht." Die Saison 2009 beginnt am 12. April mit einem Nachtrennen in Katar. "Wir wollen besser abschneiden als bei Platz vier im Vorjahr", sagte Teamchef Stefan Kiefer.

Pannen bei der Teampräsentation

Die Teampräsentation - bezeichnenderweise an Freitag, dem 13. - diente aber keinesfalls als gutes Omen. Als Bradls rot-weiße Aprilia mit der gold-blauen Nummer 17 am Hockenheimring enthüllt wurde, fielen dicke Schneeflocken vom Himmel. Beim Posieren für die drei Kamerateams und das halbe Dutzend Fotografen bibberte der 19-Jährige in seiner orangeroten Fahrerkombi vor Kälte. Und als er auf dem minus sechs Grad kalten Asphalt zur Präsentationsrunde ausrollen wollte, wurde der Motor durch einen Akkuschaden zunächst zweimal abgewürgt.

Doch Bradl hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass er sich durchbeißen kann. In dieser Saison ist er auch für die Ex-Weltmeister Casey Stoner (Australien) und Nicky Hayden (USA) der absolute Favorit auf den Titel. Zumal in Weltmeister Mike di Meglio (Frankreich) und dem 2007er-Champion Gabor Talmacsi (Ungarn) zwei der drei im Vorjahr vor Bradl platzierten Piloten in die 250er-Klasse aufgestiegen sind. 2008 verhinderten nur ein Motorschaden und ein Sturz in den letzten beiden Rennen die Vize-Weltmeisterschaft für den Bayern, der plötzliche Ausstieg des Hauptsponsors wurde umgehend kompensiert.

Waldmann glaubt an Bradl

Dem gewünschten, aber geplatzten Sprung in die 250er-Klasse trauert der aufsteigende deutsche Star "nullkommanull" nach. Zusätzliche Motivation erhielt er durch Livio Suppo, Stoners Chef bei Ducati. Dieser erklärte Bradl, dass er seine Entwicklung bereits genauestens verfolge und ihm zu einem weiteren Jahr in der 125er-Klasse rate. Stoner sei einst zu früh aufgestiegen, habe so nicht genug Zweikampf-Erfahrung sammeln können und wohl deshalb den Titelkampf der Motogp 2008 gegen Superstar Valentino Rossi verloren.

Deutschlands letzter Weltklassefahrer Ralf Waldmann glaubt daran, dass Bradl die deutschen Motorrad-Fans dieses Jahr erlösen kann. "Ganz klar, er kann es schaffen", sagte der zweimalige Vize-Weltmeister: "Die Zeit ist reif, und Stefan hat sich hervorragend entwickelt." Auch Vater Helmut Bradl, 1991 selbst Vize-Weltmeister, glaubt an den Junior: "Es gibt einige Kandidaten für den Titel, aber Stefan zählt ganz sicher dazu."



© SID

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