Motorsport Tourenwagen-WM
Müller: "Will endlich den Titel gewinnen"

Jörg Müller wird in der Tourenwagen-WM wieder für BMW an den Start gehen. Vor dem Saisonauftakt sprach der 39-Jährige mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über seine Ziele.

BMW-Werkspilot Jörg Müller will seine möglicherweise letzte Chance nutzen und 2009 doch noch den ersehnten Titel in der Tourenwagen-WM gewinnen. Um nach seiner schlechtesten WM-Saison überhaupt Seat-Pilot und Fast-Namensvetter Yvan Muller aus Frankreich zu entthronen, hat der 39 Jahre alte Rheinländer aus Hückelhoven vor seinem elften Jahr in Diensten von BMW neue Wege eingeschlagen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht Müller über seine Ziele und die Aussichten für die am Wochenende beginnende Saison.

sid: "Hat es Sie überrascht, dass der Vertrag trotz der eher enttäuschenden letzten Saison verlängert wurde?"

Jörg Müller: "Eigentlich nicht. Ich bin BMW aber sehr dankbar, dass mein auslaufender Vertrag verlängert wurde und froh, weiterhin in einem BMW zu sitzen."

sid: "Hatten Sie sich denn mit einem Wechsel beschäftigt?"

Müller: "Es gab Alternativen, aber keine, die mich wirklich gereizt hätten. Ich fühle mich bei BMW sehr wohl und weiß, dass ich bei Schnitzer in einem der weltbesten Teams fahre."

sid: "BMW Nordamerika setzt in der American Le Mans Series mit dem Rahal-Letterman-Team zwei werksunterstützte M3 ein. Sie waren von Beginn an in die Entwicklungs- und Testarbeit eingebunden, und ihr alter Kumpel Dirk Müller ist auch wieder zu BMW zurückgekehrt. Gab es für Sie eine Option, mit dem Team in der Alms anzutreten?"

Müller: "Nein, und darüber bin ich sogar ein wenig traurig. Der M3 ist ein tolles GT-Auto mit mehr Leistung, Abtrieb und Grip. Nach sieben Jahren in Tourenwagen wäre der Start in der Alms nicht nur ein Traum, sondern auch noch einmal eine ganz neue Herausforderung gewesen. Außerdem habe ich in Amerika tolle Erfahrungen gemacht, die Rennen sind länger und meinen letzten Titel habe ich dort auch gewonnen."

sid: "Was spricht denn für die Tourenwagen-WM?"

Müller: "Die Autos üben zwar nicht den Reiz eines M3 aus, aber dafür sind die Rennen spektakulär, einfach toll. Sie haben wegen ihrer Kürze die richtige Würze. Man muss es ganz einfach auf den Punkt bringen. Die kurzen Sprintrennen leben von brisanten Zweikämpfen und erfordern jede Menge Disziplin."

sid: "Die Statistik besagt, dass Sie gemeinsam mit ihrem Markenkollegen Andy Priaulx mit insgesamt zehn Siegen der erfolgreichste Fahrer in der fünfjährigen WM-Historie sind. Wie ist es möglich, dass Priaulx damit drei WM-Titel geholt und Sie "nur" eine Vize-Meisterschaft erzielt haben?"

Müller: "Darüber habe ich viele schlaflose Nächte verbracht. Ich habe wirklich alles versucht und kann es mir eigentlich selbst nicht richtig erklären. Zwischen aggressivem und konservativem Fahrstil ist es eine ganz schwierige Gratwanderung. Die hat Andy einfach besser im Griff. Außerdem war ich oftmals unverschuldet in Unfälle verwickelt. Im letzten Jahr war ich wohl zu brav und kein einziges Mal bei den Sportkommissaren. Als "Erfolg" sprang deshalb auch nur ein siebter Platz in der Endabrechnung heraus."

sid: "Was wollen Sie für die Zukunft ändern?"

Müller: "Zuerst einmal die Vergangenheit komplett ausschalten. Außerdem habe ich mein Fitnesstraining intensiviert, arbeite seit Anfang des Jahres mit einem Mentaltrainer zusammen und will all meine vorhandene Energie ausschöpfen."

sid: "Ihr Teamkollege Augusto Farfus ist 2008 dreimal von der Pole gestartet und stand im Schnitt fast fünf Positionen (4,8 zu 9, 7) und in zehn von zwölf Rennen vor ihnen in der Startaufstellung. Woran lag das?"

Müller: "Zwei oder dreimal habe ich es selbst verbockt. Oftmals war das Auto zwar von der Balance her okay, es hat aber für meinen Geschmack zu wenig Grip aufgebaut. Der Umgang mit den Reifen ist eine Wissenschaft für sich. Augusto gelingt es über eine Runde besser, den Reifen ans Arbeiten zu bringen. Das hat auch etwas mit unterschiedlichem Fahrstil zu tun. Er kann im Gegensatz zu mir sehr gut mit einem nervösen Heck leben, hat dafür aber Probleme mit einem untersteuernden Auto."

sid: "Liegt das Geheimnis des Erfolges also im Qualifying?"

Müller: "Zumindest wird darin meine Priorität liegen. Hier muss ich mich gemeinsam mit dem Team klar verbessern. Deshalb steht die Performance im Qualifying auf meiner Agenda ganz oben. Bei den Testfahrten haben wir an vielen Kleinigkeiten gearbeitet, ein Qualifying simuliert und analysiert, wo wir das gesamte Paket verbessern können."

sid: "Welche Chancen rechnen Sie sich in diesem Jahr aus?"

Müller: "BMW hat mir ein weiteres Jahr das Vertrauen geschenkt. Jetzt will ich endlich auch den Titel gewinnen."

© SID

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