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Mosley will nicht wegen Skandal zurücktreten

Max Mosley hat angekündigt sein Amt 2009 niederzulegen. Doch der FIA-Präsident will seine Entscheidung nicht als Reaktion auf den ihn betreffenden Sex-Skandal verstanden wissen.

Die unaufhörliche Kritik, der Max Mosley wegen des Sex-Skandals ausgesetzt ist, perlt am FIA-Präsidenten scheinbar ab. Zwar kündigte Mosley nach 16 Jahren als Präsident des Automobil-Weltverbandes für 2009 seinen Rücktritt an, will diesen jedoch nicht als Reaktion auf den Skandal um sein Sex-Video verstanden wissen. Im Interview mit dem Sunday Telegraph verteidigte der Brite eine Woche nach seinem 68. Geburtstag zudem sein Recht auf ein "exzentrisches Privatleben".

Mosley bekräftigte zugleich die Absicht, sein Amt trotz des Misstrauensvotums bei der außerordentlichen FIA-Generalversammlung am 3. Juni in Paris und aller Rücktrittsforderungen bis zum regulären Ende im kommenden Jahr ausüben zu wollen.

Mosley glaubt an Rückendeckung

Mosley glaubt, dass er trotz des Skandals genug Rückendeckung im Weltverband hat. "Der fundamentale Grund dafür ist, dass die Menschen, die mich gewählt haben, die Präsidenten all dieser Klubs weltweit, mir zahlreich geschrieben haben. Und für jeden Brief, in dem ein Präsident sagte, ich sollte zurücktreten, hatte ich etwa sieben, die sagten, ich müsste auf jeden Fall bleiben", sagte Mosley.

Der bislang angesehene Jurist, der seit 1993 an der Spitze der FIA steht, erklärte, er habe nie vorgehabt, über das reguläre Ende seiner Amtszeit 2009 hinaus den Posten zu bekleiden. Vor seiner letzten Wiederwahl 2004 hatte er allerdings auch zunächst erklärt, er wolle nicht wieder kandidieren, bevor er dann einen Rückzieher machte und dann doch im Amt bestätigt wurde.

FIA-Präsident will um sein Amt kämpfen

Der geheimen Wahl der FIA-Vertreter am 3. Juni sieht er gelassen entgegen. "Wenn sie wünschen, dass ich weitermache, werde ich das tun. Wenn nicht, höre ich auf", sagte Mosley. Trotz der immer lauter werdenden Forderungen wichtiger FIA-Mitglieder wie dem Adac und dem amerikanischen AAA sowie Automobilkonzernen nach einem Rücktritt kündigte er an, um sein Amt kämpfen zu wollen.

Seine sexuellen Vorlieben, die in dem von der britischen Boulevardzeitung "News of the World" gezeigten Video von Mosley und fünf Prostituierten zu sehen waren, seien Privatsache und hätten keinen Einfluss auf sein Amt. Wenn solche Praktiken einvernehmlich und privat zwischen Erwachsenen durchgeführt würden und niemand dabei verletzt oder beschädigt würde, sollte sich niemand darüber Gedanken machen, sagte Mosley, der gerichtlich gegen die Zeitung vorgeht. Der Sohn des verstorbenen britischen Faschistenführers Sir Oswald Mosley hatte zuletzt lediglich einen Nazi-Hintergrund der sexuellen Handlungen bestritten.

Webber:" Formel 1 darf nicht solche Skandale produzieren"

In die Liste der Mosley-Kritiker hatte sich zuletzt als erster Formel-1-Pilot der Australier Mark Webber eingereiht, für den Mosley den Sport in Misskredit gebracht hat. "Ob wir wollen oder nicht, in der Formel 1 sind alle von uns Vorbilder. Und die Formel 1 darf nicht solche Skandale produzieren", sagte der Red-Bull-Pilot der BBC.

Nach Webbers Einschätzung ist Mosley durch den Skandal deutlich geschwächt. "Er ist in einer sehr einflussreichen Position, und seine Rolle ist sehr wichtig", sagte Webber: "Es ist schwierig, wenn solche Skandale öffentlich werden. Das macht es für ihn schwerer, diese Rolle auszufüllen."

Auch Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Stuttgarter Sportwagenbauers, hatte zuletzt in einem Interview zudem erklärt, dass dieser Skandal einer Gründe dafür sei, dass der Konzern keine Absichten habe, in die Formel 1 zurückzukehren. "Nach der Affäre um Max Mosley und die Frauen wäre es auch nicht appetitlich, jetzt einzusteigen", sagte Porsche.

Autobauer gehen auf Distanz zu Mosley

Die in der Formel 1 engagierten Autobauer BMW, Mercedes, Honda und Toyota hatten schon kurz nach Bekanntwerden der Affäre in einer gemeinsamen Erklärung Zweifel geäußert, ob Mosley noch der richtige Mann an der FIA-Spitze sei: "Die Inhalte der Veröffentlichungen sind abstoßend. Wir distanzieren uns als Unternehmen ausdrücklich davon. Die Tragweite geht damit über den Motorsport hinaus. Wir erwarten eine Reaktion der relevanten FIA-Gremien."

© SID

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