Nachgefragt: Michael Schumacher
Ferrari hat zurzeit mehr als nur eine Schwäche

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt (Freitagsausgabe) hat Michael Schumacher Schwächen bei Ferrari eingeräumt. Formel-1 sei wie ein Puzzle, wo alles zusammen passen muss.

Handelsblatt: Herr Schumacher, ist die aktuelle Schwäche von Ferrari vielleicht auch eine Schwäche der Informationstechnologie, sind die Autos schlechter vorbereitet?

Michael Schumacher: Fragen wir mal anders herum: Hatten wir fünf Jahre lang vielleicht den größten technologischen Vorsprung? Wir sind nicht schlechter geworden, aber die anderen haben sicher dazugelernt. Aktuell haben wir nicht nur eine einzige Schwäche, dass muss man ganz klar sagen. Formel-1 ist wie ein Puzzle in dem alles zusammen passen muss. Und im Moment passt es nicht so richtig.

Wo ist der Punkt, an dem sie sich von der Technik bevormundet fühlen, an dem Sie glauben, nicht mehr Herr im eigenen Cockpit zu sein?

Das habe ich noch nicht erlebt. Alles, was der Mensch produziert, hat auch menschliche Fehler und der Mensch ist derjenige, der die wieder ausgleichen muss. Die Unterschiede sind vielleicht nicht mehr so groß wie früher und fahrerische Schwächen können etwas kaschiert werden. Aber trotzdem wird nie der schlechteste Fahrer gewinnen, nur weil er das technische hochgerüstetste Auto hat.

Sind die jüngsten Regeländerungen in der Formel-1, etwa das Telemetrie-Verbot, Ausdruck einer neue Technologiefeindlichkeit?

Eigentlich geht es nur um die Finanzen. Viele Änderungen wurden eingeführt, um Geld zu sparen. Die Formel-1 muss günstiger werden, um neue Teams zum Einstieg zu motivieren. Wir haben jetzt zehn Teams, es waren mal deutlich mehr. Wenn es für viele zu teuer ist, dann stimmt da irgendwas nicht.

Ist das Ziel erreicht worden?

Nein, leider nicht. Wir haben da ein grundsätzliches Problem. Nehmen wir die an sich hilfreiche Regelung, dass ein Motor ein ganzes Rennen halten muss. Das spart ganz klar Geld. Aber die Teams, die gewinnen wollen, nehmen das Geld natürlich und stecken es in andere Bereiche, um da Vorteile zu erreichen. Man kann unsinnige Investitionen in Materialen verhindern, aber nicht, dass Geld in andere Bereiche gelenkt wird. Ein Team hat 50 Millionen, eines 100 Millionen. Sie können einem Team nicht verbieten, die zusätzlichen 50 Millionen auszugeben, und sei es nur, um teurere Mitarbeiter zu engagieren.

Was war eine gute Regelung gegen sinnlose Investitionen?

Zum Beispiel, dass das hoch giftige Beryllium im Motorenbau nicht mehr verwendet werden darf. Das war nicht nur sehr teuer, sondern hat auch gesundheitlich Risiken für die Menschen mit sich gebracht, die damit arbeiten mussten.

Je weniger Technik, um so wichtiger wird das fahrerische Können, heißt eine gängige Parole. Geht die Rechnung in der Formel-1 auf?

Lassen sie es mich so sagen: Würden Zeitungen besser oder interessanter, nur weil man sie wieder mit derTechnik von vor zwanzig Jahren machen würde? Wir leben von Fortschritten und man kann die Welt auch bei uns nicht zurückdrehen.

Computersimulationen treten – auch aus Kostengründen – immer häufiger an die Stelle von realen Tests von Bauteilen oder Rennwagen. Ist das aus der Sicht des Fahrers der falsche Weg?

Wenn ich sehe, was wir heute mit Simulationen in welch kurzer Zeit erreichen, weiß ich nicht, wie man das ohne noch schaffen sollte. Dafür haben wir weder die Zeit, noch das Geld. Wir kommen mit weitgehend optimierten Fahrzeugen an die Strecke und müssen dann nur noch das Feintuning vornehmen.

Die Fragen stellte Axel Postinett

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