Neun Monate nach Horror-Unfall

Formel-1-Pilot Bianchi gestorben

Auch seine Familie hatte kaum noch Hoffnung: Neun Monate nach seinem tragischen Unfall in Japan ist Formel-1-Pilot Jules Bianchi an den Folgen seiner Kopfverletzungen gestorben. Die Motorsportwelt ist erschüttert.
Update: 18.07.2015 - 16:05 Uhr Kommentieren

Formel-1-Fahrer Bianchi erliegt Kopflverletzungen

NizzaFormel-1-Pilot Jules Bianchi hat seinen letzten Kampf verloren. Der vor gut neun Monaten bei einem fürchterlichen Unfall beim Grand Prix von Japan schwer verletzte Rennfahrer starb am Freitagabend in seiner Heimatstadt Nizza. Frühere Kollegen und Staatspräsident François Hollande reagierten bestürzt auf die Mitteilung der Familie. „Jules hat bis zum Ende gekämpft, wie er es immer gemacht hat, aber gestern ist sein Kampf zu Ende gegangen“, teilte die Familie in der Nacht zum Samstag auf Facebook mit.

Der am 5. Oktober 2014 verunglückte Bianchi lag bis zuletzt im Koma. Er wurde nur 25 Jahre alt. „In der vergangenen Nacht haben wir einen wahrlich tollen Menschen und einen echten Kämpfer verloren“, schrieb McLaren-Fahrer Jenson Button.

Bianchi war in Suzuka mit seinem Marussia gegen einen Bergungskran gerast und hatte sich schwere Verletzungen im Gehirn zugezogen. „Der französische Sport verliert mit ihm eine seiner großen Hoffnungen“, teilte Hollande am Samstag mit. „Meine Gedanken sind bei seinen Eltern, seiner Familie und seinen Freunden.“

Die Formel fürs Risiko
Japan Formula One Grand Prix
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Die Formel 1 trauert um Jules Bianchi: Der 25 Jahre alte Franzose aus dem Nachwuchsprogramm von Ferrari verunglückte vor neun Monaten am Ende des japanischen Grand Prix in Suzuka beim Zusammenstoß mit einem Abschleppfahrzeug. Nach einem Ausrutscher von Adrian Sutil (Gräfelfing) war Bianchi gegen den Abschleppwagen geprallt, der zur Bergung von Sutils Sauber ausgerückt war. Das turbulente Rennen wurde kurz nach dem tragischen Unfall in der 46. von 53 Runden abgebrochen.

Japan Formula One Grand Prix
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Die Beklemmung nach den schrecklichen Bildern vom Marussia-Rennwagen unter einem Bergungskran ließen keinen los: Das Fachmagazin „auto, motor und sport“ zitierte einen Augenzeugen: „Im Scheitelpunkt brach das Heck aus. Bianchi korrigierte, doch das Auto bekam einen Konter. Der Marussia rutschte quer in das Kiesbett, wo er zu springen begann. Damit wurde die Geschwindigkeit nicht verzögert.“ Wie das Blatt weiter berichtet, habe die Polizei das Wrack beschlagnahmt.

Marshalls clear the way for an ambulance after the race was stopped following a crash by Marussia Formula One driver Bianchi of France at the Japanese F1 Grand Prix at the Suzuka Circuit
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Jules Bianchi wird mit einem Rettungswagen abtransportiert: Der Formel-1-Pilot erlitt „schwere Kopfverletzungen“ und lag seitdem im Koma.

Jules Bianchi
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Jules Bianchi vor dem Rennen in Japan – sein Zustand hat sich nach Informationen einiger französischer Medien anscheinend nicht signifikant verbessert. Angeblich ist der 25 Jahre alte Marussia-Fahrer in der Nacht zum zweiten Mal am Kopf operiert worden, nachdem es zu weiteren Blutungen gekommen war. Ein offizielles Statement oder eine Bestätigung dafür gab es am frühen Montagmorgen allerdings noch nicht.

huGO-BildID: 39592161 Caterham driver Kamui Kobayashi (C) of Japan jumps off from his car after crashing into the wall during the second practice ses
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Probleme zeigten sich bereits im Training für den Grand Prix in Suzuka: Kamui Kobayashi, hier im Bild, musste aus seinem Auto springen, als der Rennwagen die Wand rammte. Auch Daniel Ricciardo und Esteban Gutierrez verunfallten während des Trainings. Bei allen dreien waren Fahrfehler die Ursache. Suzuka gilt als schwierige Strecke, bei der Aufmerksamkeit und Können der Fahrer besonders gefragt sind.

ROBERT KUBICA
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Schwere Unfälle gehören zum riskanten Hochgeschwindigkeits-Spektakel dazu. Beim großen Preis von Kanada im Juni 2007 erlebte Robert Kubica einen Horror-Unfall: Er kam im BMW-Sauber mit Tempo 300 von der Fahrbahn ab, überschlug sich und prallte gegen eine Betonwand. Kubica kam mit einer Knöchelverstauchung und einer leichten Gehirnerschütterung davon.

SCHUMACHER
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Ralf Schumachers Williams BMW dreht sich bei seinem Unfall beim Großen Preis der USA am 20. Juni 2004 in Indianapolis: Mit 300 Stundenkilometern raste Schumacher gegen eine Mauer. Als Folge des Unfalls musste der Formel-1-Pilot noch acht bis zwölf Wochen pausieren. Ärztliche Untersuchungen hatten ergeben, dass Schumacher neben einer schweren Gehirnerschütterung auch zwei Frakturen der Wirbelsäule erlitten hatte.

Die Familie um Vater Philippe und Mutter Christine dankte dem medizinischen Personal des Krankenhauses, das den im Koma liegenden Bianchi „mit Liebe und Hingabe“ gepflegt habe.

Gut zwei Jahrzehnte nach dem Tod der Renn-Ikone Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola und von Roland Ratzenberger am Tag davor trauert die Formel 1 um den insgesamt 26. Unfalltoten an einem Grand-Prix-Wochenende seit der WM-Premiere 1950. Der Motorsport-Weltverband FIA kondolierte: „Der Sport hat einen der talentiertesten Fahrer dieser Generation verloren“.

Unglück löst Sicherheitsdebatte aus
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