Nico Rosberg
Der Anti-Schumacher

Nico Rosberg ist Weltmeister geworden. Er hat damit als Rennfahrer alles erreicht. Sein plötzlicher Rückzug so kurz nach dem Titelgewinn zeigt eine Konsequenz, die man sich im Sport öfter wünschen würde. Ein Kommentar.
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DüsseldorfBleib weg mit Deinen Millionen, ich habe jetzt Bock auf Familie. Das ist die Quintessenz aus Nico Rosbergs überraschender Rücktrittserklärung. Noch nicht mal eine Woche nach dem größten Triumph seiner Karriere meldet sich der Formel1-Weltmeister vom Rennzirkus ab. Für immer. Unwiderruflich. So sagt er jetzt zumindest.

Und es ist nur konsequent. Der 31-Jährige hat eine harte Saison in den Knochen. Immer wieder musste sich der gebürtige Wiesbadener anhören, dass er ein guter Fahrer sei – aber eben nicht der Beste. Gerade im direkten Duell mit dem teaminternen Rivalen Lewis Hamilton hieß es regelmäßig: Hamilton hat das Talent, Rosberg die Disziplin.

Zweimal verpasste der Deutsche schon knapp den Titel. Und auch in dieser Saison sah es im Sommer noch so aus, als solle sich das Vorjahr wiederholen. Rosberg konnte zwar fünf Rennen gewinnen, die ersten vier sogar am Stück, doch Hamilton konterte und zog mit seinem insgesamt sechsten Sieg ausgerechnet in Hockenheim vorbei.

Die Sommerpause wusste Rosberg zu nutzen. Er, der als akribischer Arbeiter und Musterprofi gilt, eher zu brav, stark im Kopf, aber kein Instinktfahrer. Und so gewann er einfach noch einmal vier Rennen. Den Vorsprung verteidigte er bis ins Saisonfinale in Abu Dhabi, und zwar auf den Punkt.

Er führte einen kräftezehrenden Kampf, mit sich, mit Hamilton, mit der Entwicklung seines Autos. Ein Kampf, der weder an ihm, noch seiner jungen Familie spurlos vorübergegangen ist. Von „Opfern“ sprach Rosberg nach seinem Rücktritt. Die waren vor allem zeitlich. Tests während der Saison, Rennen in der ganzen Welt – der Formel1-Zirkus ist ein harter Job.

Natürlich, ein Jahresgehalt von über 20 Millionen Euro ist ein üppiges Schmerzensgeld, selbst für einen Job, bei dem der Fahrer alle zwei Wochen Kopf und Kragen riskieren muss. Doch ein geregeltes Familienleben ist in diesem Umfeld kaum möglich. Nicht umsonst war die Formel1 über Jahrzehnte ein Tummelplatz riesiger Egos, von Partylöwen und Playboys, die das Leben und Überleben mit wilden Exzessen feierten.

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Respekt vor der Entscheidung

Kommentare zu " Nico Rosberg: Der Anti-Schumacher"

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  • Chapeau Nico, nach dem Titelgewinn sich ab sofort nur noch der Familie zu widmen. Alles Gute für die Zukunft.

  • Respekt zu diesem klugen Entscheidung und alles gute für die Zukunft @ Nico!

  • Nico kann nicht nur schnell Rennwagen fahren, sondern ist auch ein schlauer Kerl. Schließlich ist er seit 25 Jahren im Rennzirkus aktiv. In den 90er Jahren hatte ich als Fotograf einmal die Gelegenheit, ihn in Hockenheim vor der Linse zu haben, da war er noch ein kleiner 10 Jahre alter Bursche und ist mit seinem Vater Keke (DTM 1995 Team Rosberg) mit auf der Präsentationsrunde gefahren.

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