Pascal Wehrlein
Der Neue ohne Nerven

Aus dem Haifischbecken DTM ins Haifischbecken Formel 1. Manor-Pilot Pascal Wehrlein gilt als große deutsche Motorsporthoffnung, kennt mit seinen 21 Jahren schon die schmutzigsten Seiten des Business.

Worndorf, DüsseldorfRekorde sind für Pascal Wehrlein in der Formel 1 erst mal kein Thema mehr. Im Deutschen Tourenwagen Masters sammelte er in drei Jahren eine Bestmarke nach der anderen und verabschiedete sich als jüngster DTM-Champion der Geschichte gen Königsklasse - als Stammpilot beim Privatteam Manor fehlt ihm dort aber das Material für Bestzeiten und Siege. Mit seinen 21 Jahren ist er auch nicht mehr das Küken in der Startaufstellung. Max Verstappen ist drei Jahre jünger.

Leicht wird das Premierenjahr gegen Größen wie Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Sebastian Vettel ohnehin nicht für den ehrgeizigen Schwarzwälder aus Worndorf bei Tuttlingen. „Ich ärgere mich auch über einen zweiten Platz. Irgendjemand hat dann ja was besser gemacht“, sagte er einmal. „Ich will immer das Maximale. Aber man darf sich, wenn man erfolgreich ist, nie zurücklehnen. Man muss weiter Arbeit und Fleiß investieren.“

Als Test- und Ersatzfahrer für Mercedes kennt der leidenschaftliche Hobbyfußballer Wehrlein die Abläufe auf den Grand-Prix-Strecken dieser Welt schon ganz gut. Für die Schwaben und Force India hat er schon einige Runden gedreht und saß zudem viele Stunden im Simulator. Ob der südländische Typ, dessen Mutter aus Mauritius stammt, bei den Kollegen so gut ankommt wie bei den Frauen, muss sich zeigen. „Ich bin an Rennwochenenden sehr ruhig, sehr fokussiert. Manche sagen, dass ich deshalb unfreundlich rüberkomme. Aber ich bin einfach so, das ist mein Charakter“, erklärte er zum Ende seiner DTM-Zeit.

Dieses Ende war spektakulär – dank des Audi-Motorsportteams. Mercedes-Pilot Wehrlein und Teamkollege Robert Wickens, zu dem Zeitpunkt Führende im Gesamtklassement, wurden von Audi-Pilot Timo Scheider absichtlich von der Strecke gedrängt. Mehr noch, für einen Skandal sorgte der Funkspruch aus der Box, der dem Piloten die Order gab. Es folgten Geldstrafen und Sperren, Wehrlein lies sich vom Psychokrieg nicht entnerven und sicherte sich den Titel.

Nerven aus Stahl wird der Deutsche auch im Hinterfeld der Formel 1 nötig haben. Gerade dort, wo Piloten häufig nicht im Cockpit sitzen, weil sie herausragendes Talent, sondern herausragende Sponsoren mitbringen, ist Geduld und Können gefragt, wenn man an die Spitze will. Einen Weg, den zum Beispiel Weltmeister Lewis Hamilton gar nicht kennt. Wehrlein wäre bei einem Durchbruch in guter Gesellschaft, auch Michael Schumacher und Sebastian Vettel feierten ihre ersten Erfolge bei Hinterbänkler-Teams. Herausforderung und Chance zugleich. Der glaube an Wehrlein, er ist da.

Gefördert von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der auch die Verhandlungen mit Manor übernahm, hatte Wehrlein zumindest in der Tourenwagenserie eine steile Lernkurve. Die schwerste Zeit gab es nach einem Unfall im Trainingslager der Fußball-Nationalmannschaft, als Wehrlein einen Fußgänger mit dem Auto erfasste und verletzte. Damit klar zu kommen war schwer, hat ihn in seiner sportlichen Entwicklung aber nicht zurückgeworfen.

Seine erste Lektion bei Manor hat Pascal Wehrlein längst gelernt. „Wir werden nicht um Siege fahren“, konstatierte der 21-Jährige nach seinem ersten Testtag als Stammpilot bei dem Formel-1-Hinterbänklerteam. Als Kulturschock empfindet der Mercedes-Zögling seinen Wechsel zum neuen Arbeitgeber nicht. Er sei „gleich hungrig“ wie auch als Testfahrer beim Weltmeister-Rennstall und wolle in dieser Saison „Highlights setzen“, kündigte Wehrlein an.
Von Wehrlein und seinem indonesischen Kollegen Rio Haryanto erhofft sich der britische Rennstall im Idealfall den einen oder anderen Punkt. „Pascal und Rio sind eine tolle Ergänzung für unser Team“, sagte Teamchef Dave Ryan bei der Vorstellung des neuen MRT05. Für das erste Saisonrennen am 20. März in Melbourne hofft Wehrlein auf einen Coup. „Erstmal ins Ziel kommen“, sei zwar das Ziel. Vielleicht sei das Team aber auch schon „für eine Überraschung gut.“


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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