Politik und Sport
Angespannte Lage überschattet Formel 1-Rennen

Das Interesse mancher Piloten an der heiklen Lage in Bahrain ist bemerkenswert gering. Formel-1-Chef Ecclestone trifft sich zwar mit der Opposition, Taten folgen aber nicht. Die Situation ist symptomatisch für das (Nicht-)Verhältnis von Sport und Politik.
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SkhirAuch vor dem vierten Rennen der Formel-1-Saison im Golfstaat Bahrain hat es bei Protesten Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Stunden vor dem Start setzten maskierte Jugendliche am frühen Sonntagmorgen auf Straßen nahe der Hauptstadt Manama Autoreifen in Brand. Bahrains Sicherheitschef Tarek al-Hassan versicherte, es werde alles getan, um einen störungsfreien Ablauf des Autorennens zu garantieren.

Die Demonstranten blockierten mit Autoreifen mehrere Straßen in schiitischen Dörfern nahe Manama. Dabei riefen sie Slogans gegen das „Blutrennen“ der Formel 1. Die Polizei setzte in der Nacht Tränengas ein, um Protestgruppen aufzulösen. Der Zugang zur Rennstrecke südlich von Manama war von den Protesten aber nicht betroffen. Für den geplanten Beginn des Rennens am Nachmittag rief die radikale Oppositionsbewegung 14. Februar zu weiteren Protesten auf.

Bereits am Samstag waren hunderte Menschen dem Aufruf der Bewegung gefolgt, auf dem Perlenplatz in Manama zu demonstrieren. Allerdings wurden sie vor dem Platz von der Polizei mit Tränengas auseinander getrieben. Einige Demonstranten warfen Benzinbomben. Zudem erlitten dem Innenministerium zufolge zwei Asiaten Verletzungen durch Molotowcocktails, die am Samstag auf eine Polizeistreife in Manama geworfen wurden.

Der Perlenplatz war das Zentrum von Protesten im März 2011, die mit Hilfe saudiarabischer Truppen blutig niedergeschlagen wurden. Die schiitische Opposition nutzt das Formel-1-Rennen, um die Aufmerksamkeit auf ihre Proteste zu lenken. Während jugendliche Mitglieder der Bewegung 14. Februar den Sturz des Königs verlangen, fordert die gemäßigte Opposition die Errichtung einer echten parlamentarischen Monarchie, in der das Parlament die Regierung bestimmt.

Wo die einen um die Demokratie kämpfen, kämpfen die anderen um Podestplätze: Immerhin sind manchem Piloten die Polizeikontrollen auf dem Weg zur Formel-1-Strecke in der Wüste von Bahrain nicht entgangen. „Das ist natürlich ein Zeichen, dass eine gewisse Unsicherheit herrscht“, räumte Adrian Sutil vom Force-India-Rennstall ein: „Aber ich habe bis jetzt keinen Zwischenfall mitbekommen oder persönlich gesehen. Von daher: Geht schon.“

Besonders eingehend hat er sich jedoch ebenso wie Landsmann Nico Hülkenberg nicht befasst, mit der angespannten Situation im Königreich, das seit über zwei Jahren nicht zur Ruhe kommt. „Es ist eh nicht etwas, das wir beeinflussen können“, meinte Hülkenberg. Der Sauber-Neuzugang verwies auf den Internationalen Automobilverband und das Formula One Management von Bernie Ecclestone, die für den Rennkalender zuständig sind.

„Wenn die sich sicher sind, dass es sicher ist in dem Land zu fahren, treten wir auch an“, hatte Hülkenberg drei Tage vor dem Rennen am Sonntag auf dem Bahrain International Circuit betont. Die Rennstrecke liegt etwa eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Manama entfernt. Er wolle sich auf seinen Job konzentrieren und auf das, was vor ihm liege, teilte Hülkenberg dem Sportinformationsdienst mit.

Nachdem Menschenrechtsorganisationen Ecclestone scharf kritisiert und britische Politiker die kurzfristige Absage gefordert hatten, soll der Formel-1-Chef nun einen Brief an mehrere humanitäre Einrichtungen in dem Inselstaat im Persischen Golf geschrieben haben. Das berichtete die Online-Ausgabe der Welt am Donnerstag.

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  • Formel 1 ist in erster Linie ein Geschäft. Gewinne, monetärer Form, ist was Zählt, der Sport des Fahrens steht schon seit vielen Jahren im Hintergrund. Aus geschäftlicher Sicht ist es dementsprechend nicht wirklich verwunderlich, was dort passiert.

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