Rekordstrafe für McLaren-Mercedes
Weltautomobilverband schockt Silberpfeile

Dem Formel-1-Team McLaren-Mercedes wurde wegen der Spionage-Affäre eine drastische Geldstrafe auferlegt. Außerdem verliert der Rennstall alle in dieser Saison gewonnenen Konstrukteurs-Punkte. Aufatmen können dagegen die beiden Piloten.

HB PARIS/FRANKFURT. McLaren-Mercedes muss die Spionage-Affäre in der Formel 1 teuer bezahlen und einen fast sicheren Titel ausgerechnet dem Erzrivalen Ferrari kampflos überlassen. Dem britisch-deutschen Rennstall werden alle Zähler in der Teamwertung aberkannt, zudem muss er 100 Mill. Dollar (rund 72 Mill. Euro) Buße zahlen. Dies entschied am Donnerstag nach einer rund siebenstündigen Verhandlung in Paris der Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA. Die Fahrer blieben indes wegen der besonderen Umstände verschont.

„Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen bei Medien und Formel 1-Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen“, kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Entscheidung. Er kündigte zugleich eine mögliche Berufung gegen das Urteil an. „Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Rennstrecke Antworten zu geben, wie zuletzt in Monza, und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden“, betonte Haug, nachdem das Team am 26. Juli bei einer ersten Anhörung noch freigesprochen worden war. Allerdings aus Mangel an Beweisen und auf Bewährung. Es drohte sogar der Ausschluss aus der laufenden und der kommenden Saison bei einer neuen Beweislage.

Diese hatte sich angeblich vergangene Woche ergeben, nachdem ein entsprechender E-Mail-Verkehr zwischen Weltmeister Fernando Alonso und Ersatzfahrer Pedro de la Rosa aufgetaucht sein sollte. „Das World Council hat von Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Pedro de la Rosa Stellungnahmen bekommen, in denen sie kategorisch feststellen, dass keine Ferrari-Informationen von McLaren benutzt wurden“, betonte Teamchef Ron Dennis in einer eigens anberaumten Pressekonferenz.

Zu den tatsächlichen Gründen für die Entscheidung des Gremiums, dem auch der Rosenheimer Hermann Tomczyk als Präsident des Deutschen Motorsport-Bundes angehört, will sich die FIA erst an diesem Freitag äußern, drei Tage vor dem Großen Preis von Belgien in Spa- Francorchamps. Es ist das viertletzte Rennen der Saison. Dennis: „Das Wichtigste ist, dass wir an diesem Wochenende wieder Rennen fahren, den Rest der Saison und jede Saison. Wir haben die besten Fahrer und das beste Auto und wir haben die Absicht, die WM zu gewinnen.“

Im Dezember will der FIA-Weltrat allerdings erneut über mögliche Sanktionen gegen McLaren-Mercedes für die kommende Saison entscheiden, hieß es in der offiziellen Pressemitteilung. Darin wurde auch bekanntgegeben, dass bei Siegen eines McLaren-Piloten in dieser Saison kein Repräsentant des Teams mit aufs Podium darf. „Ich akzeptiere nicht, dass wir es verdient haben, so bestraft zu werden und dass unser Ruf so beschädigt wird“, kommentierte Dennis den umfangreichen Sanktionen-Katalog, der in dem Ausmaß auch bei Experten für Verwunderung sorgte.

Auch Lewis Hamilton, der mit 92 Punkten weiter vor Alonso (89) die WM-Wertung anführt, dürfte die Entscheidung die Sprache verschlagen haben. „Wir sind ein Team. Ich fühle mich entspannt und ich bin zuversichtlich für heute“, hatte er - schick im anthrazit-farbenen Anzug mit silbergrauer Krawatte - noch vor der Anhörung gesagt.

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