Saison zwischen Hoffen und Bangen: Wirtschaftskrise zwingt Formel 1 auf neuen Kurs

Saison zwischen Hoffen und Bangen
Wirtschaftskrise zwingt Formel 1 auf neuen Kurs

Die Weltwirtschaftskrise bremst die Formel 1 aus und zwingt die Rennställe, die Gürtel deutlich enger zu schnallen. Ein rigider Sparkurs soll den Teams und Herstellern das langfristige Überleben in der Königsklasse ermöglichen. Die Verantwortlichen sind bemüht Optimismus zu verbreiten – und beschwören die Chancen, die in der erzwungenen Schrumpfkur stecken. Echte Zuversicht oder Durchhalteparolen?

DÜSSELDORF. Ein Engagement im Rennzirkus Formel 1 ist eine teure Sache: Die Teams geben jährlich Millionen für Forschung und Entwicklung, Motoren, Reifen, Benzin, Windkanäle, Rennwagen, Tests, Rennen, Fahrer, Reisekosten und PR aus. In der Vergangenheit wurde die Königsklasse des Motorsports mehr und mehr zur Materialschlacht, die nur gewinnen konnte, wer das entsprechende hohe dreistellige Millionenbudget hatte. Ex-Toro-Rosso-Boss Gerhard Berger warnte bereits früh: "Was heute mit Budgets von 300 Millionen Dollar pro Jahr veranstaltet wird, geht auch mit 30 Millionen, wenn die Vernunft zurückkehrt."

Nun ist sie zurück - wenn auch nicht ganz freiwillig: Die Weltwirtschaftskrise bremst die Formel 1 aus und zwingt die Rennställe auf Sparkurs - mit teils drastischen Folgen: So schockte Honda die Serie Anfang Dezember mit dem sofortigen Rückzug aus der Formel 1. Aber auch Ferrari, Toyota und McLaren-Mercedes reagierten, verzichteten auf die bislang übliche pompösen Präsentation ihrer neuen Wagen für die Saison 2009. Und das Wort Personalabbau ist in aller Munde. Renault hat angeblich bereits 100 Mitarbeiter entlassen und Red-Bull-Teamchef Christian Horner befürchtet Ähnliches. Erste Betroffene sind die Mitarbeiter der Testteams, die wegen des Testverbots während der Saison alle aufgelöst werden.

Schon im Dezember hatte der Rennzirkus angesichts der finanziellen Probleme, die aus den Turbulenzen für die Autohersteller erwachsen, gehandelt und auf einer Krisensitzung das größte Sparpaket in der Historie der Eliteklasse des Motorsports beschlossen. Die vereinbarten Maßnahmen sind einschneidend. So stehen den Piloten unter anderem nun nur mehr acht Motoren pro Saison zur Verfügung, ihre Drehzahl wird zur Schonung auf 18 000 Umdrehungen heruntergeschraubt - allein diese Maßnahme bringt den Teams eine jährliche Kostenersparnis um rund 50 Prozent. Zudem sind ab 2009 Testfahrten nur noch an Grand-Prix-Wochenenden erlaubt, es wurde eine weitreichende Beschränkungen der Aerodynamik-Tests vereinbart und die Anzahl der Teammitglieder an der Rennstrecke wird reduziert. Unter dem Strich soll die Ersparnis für die Werkteams BMW, Mercedes, Toyota, Ferrari und Renault bei geschätzten 30 Prozent liegen. Für die kleineren Rennställe wie Red Bull, Force India und Toro Rosso dürfte die Ersparnis sogar noch größer sein. Ab der Saison 2010 sollen die unabhängigen Teams die Motoren für maximal fünf Millionen Euro von den Herstellern kaufen können.

Ein Weg, der ganz im Sinne von Max Mosley ist. Um das Überleben der Formel 1 zu sichern, wirbt der FIA-Präsident für die "Sozialisierung" der Rennserie, fordert "gleiches Geld für alle." "Die Idee, dass jedes Team gleich viel Geld zur Verfügung hat, womit der Erfolg durch intellektuelle Fähigkeiten errungen werden muss, hat einen großen Reiz. Das wäre ein faires System", argumentiert Mosley. "Die Kosten müssen so stark heruntergefahren werden, dass unabhängige Teams vom Geld des Formel-1-Managements von Bernie Ecclestone und moderaten Sponsorengeldern leben können", weist der FIA-Chef den Weg.

Bei den Teams ist eine gewisse Einsicht für diese Änderungen vorhanden, wie die Einigung auf die Maßnahmen des Sparpakets zeigen. "Ferrari in der ersten Reihe, wenn es darum geht, die Formel 1 zu retten", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. "Die Ziele, die Strukturen und die Rahmenbedingungen sind für alle Teams verschieden, aber jetzt ziehen alle an einem Strang. Die Formel 1 wird nach überstandener Krise stärker sein als je zuvor."

Dem pflichtete auch der im März scheidende McLaren Boss Ron Dennis bei: "Die Teams haben dabei wirklich ausgezeichnet zusammengearbeitet." Eine Pleitewelle bei den Teams erwartet er denn auch nicht. "Unser Sport wird die Wirtschafts- und Finanzkrise wesentlich besser überstehen als andere", glaubt er. Dafür spricht, dass Formel-1-Teams nicht übermäßig verschuldet sind wie etwa viele Fußballvereine. Sie investieren den Großteil ihrer Gelder direkt und kürzen ihre Kosten unmittelbar, wenn die Einnahmen sinken. Ein Abstieg aus der Eliteklasse ist unmöglich, daher ist ein Hinterherfahren über eine oder zwei Saisons nicht automatisch geschäftsschädigend.

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