Schumacher-Rücktritt
„Ich bin keine Legende“

Mit dem Sieg beim Ferrari-Heimrennen in Monza, scheint der achte Weltmeisterschaftstitel für Michael Schumacher wieder in greifbare Nähe gerückt zu sein. Für den Kerpener wäre es der gelungene Abschluss einer steilen Karriere. Denn der erfolgsreichste Rennfahrer aller Zeiten hört am Ende der Saison auf – zwar geachtet, aber nicht geliebt.

MONZA. So melancholisch war die Bettlaken-Prosa auf den Tribünen des Autodromo Nazionale selten. „Michele, für uns bleibst Du immer die Nummer eins“ haben sie auf ihre Transparente gepinselt, „Das Rot im Auge, Schumi im Herzen“ und „Schumi plus Ferrari gleich ewige Liebe“. Die Formel-1-Fans hatten das richtige Gespür, schon vor dem offiziellen Abschied. Seit Sonntag Nachmittag steht fest, dass sie den rasenden Michaelangelo verlieren. Das Ende des Großen Preises von Italien markiert auch das Ende einer Epoche: Nach 16 Jahren ist Schluss mit der Formel Schumi, der Mega-Star verabschiedet sich Mitte Oktober von der Rennstrecke in die Rente.

So rührend wie den Fans war auch Michael Schumacher selbst zu Mute, als er seine Entscheidung nach seinem Sieg in Monza verkündete. Er kämpfte mit den Tränen, doch als der Rücktritt verkündet war, schien Michael Schumacher erleichtert und wirkte wie von einer erdrückenden Last befreit. „Das wird heute mein letztes Monza-Rennen gewesen sein, denn ich werde mich am Ende des Jahres aus dem Motorsport zurückziehen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem alles mal zu Ende geht, hoffentlich mit dem achten WM-Titel“, sagte Schumacher auf der Sieger-Pressekonferenz in Monza.

Von da an – ob mit oder ohne achten Weltmeistertitel – wird die Dimension Schumacher noch wachsen, erst richtig deutlich werden, dass er viel mehr als nur schnelle Rennwagen bewegt hat. Die Frage der Ära ist schon jetzt zu klären. Formel 1 ohne Schumacher ist wie Tennis ohne Becker. Ausgezogen Anfang der Neunziger als KfZ-Lehrling hat er den Deutschen geholfen, den Rennsport nicht bloß auf der Autobahn auszuleben. Er hat die Grand-Prix-Tradition entstaubt. Mensch kommt eben doch noch vor Motor. Das Klischee, dass Motorsportler bloß unvernünftige Raser sind, konnte er entzaubern. Viele andere hat er erst geprägt, durch seinen Charakter und seine Fahrweise. Beides wurde weltweit als deutsche Tugend ausgelegt: Zielstrebig, pedantisch, bisweilen rücksichtslos.

Dabei hat der 37-Jährige bloß ganz einfach das Recht des Schnelleren für sich in Anspruch genommen. Und er hört rechtzeitig genug auf, um nicht dauerhaft überholt zu werden. Bei allem unwürdigen Gezerre um die Verkündung seiner Entscheidung in den vergangenen Wochen ist es trotzdem ein perfekter Zeitpunkt zu gehen, so lange er noch konkurrenzfähig ist.

Um zu erkennen, was der Mann wert ist, der am Genfer See residiert, reicht weder das geschätzte Jahresgehalt (35 Millionen Dollar), noch sein Vermögen (etwa eine Viertelmilliarde Euro). Allein die Mega-Stars anderer Disziplinen taugen zum Vergleich: Tiger Woods, Michael Jordan, Muhammad Ali, Pelé, Björn Borg – also alle jene, die auf eigene Art ihre Sportarten durch erfolgreiches Tun neu definiert haben. „Ich bin keine Legende“, wehrt der Dauer-Rekordhalter der Formel 1 ab, „ich bin nur jemand, der das Glück hat, in etwas gut zu sein, das ihm Spaß macht.“

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