Toyota steigt aus
Formel-1-Standort Köln zittert

Toyota steigt aus der Formel 1 aus – aus Kostengründen. Das trifft viele Motorsportfans, vor allem aber die 650 Mitarbeiter der Formel-1-Fabrik Toyotas in Köln-Marsdorf, die am Mittwoch von der Nachricht überrascht wurden. Nun droht mindestens ein Kahlschlag. Für den Automobilstandort Köln besitzt Toyota eine hohe Bedeutung.

KÖLN/TOKIO. Die schlechte Nachricht erreicht Köln-Marsdorf schnöde per Pressemitteilung. „Toyota zieht sich aus der Formel-1 zurück“, ist das Papier überschrieben. „Wir wurden total überrascht“, sagt Fernanda Villas–Boas. Wohl eher zufällig ganz in schwarz gekleidet sitzt die Toyota-Motorsport-Sprecherin in der Pförtnerloge im Industriegebiet, den Wisch aus Japan in der Hand. „Hier steht alles, was ich weiß.“ Hinter Villas-Boas in den hellen Wellblechhallen tüfteln streng abgeschirmt rund 650 Mitarbeiter an Formel-1-Boliden, die womöglich in Zukunft keiner mehr braucht. „Wir bauen das Auto erstmal weiter“, trotzt Villas-Boas.

Diese Order hat der in Köln ansässige Motorsport-Präsident der Japaner, John Howett, in einer Versammlung am Vormittag ausgegeben. Eigentlich habe man über den Verlauf des letzten Saisonrennens sprechen wollen – doch die Japaner änderten die Agenda. „Was nun mit uns geschieht, weiß hier noch niemand. Rufen Sie in Japan an“, empfiehlt die Sprecherin.

Die Mitarbeiter huschen zur Mittagspause wortlos aus dem Werkstor – ihnen ist jede Stellungnahme untersagt. „Eher cool“ hätten die Beschäftigten die Hiobsbotschaft aufgenommen, sagt Villas-Boas.

Die Zentrale dankt und entschuldigt sich für Unannehmlichkeiten

Im fernen Tokio begründet Firmenchef Akio Toyoda den Rückzug mit einem straffen Sparkurs des Unternehmens. „Wir drücken unseren Rennfahrern und den Mitarbeitern der Toyota Motorsport GmbH unsere herzliche Dankbarkeit aus. Sie haben geholfen, die Leistungen des Teams möglich zu machen“, teilte der weltgrößte Autobauer mit. In der schwersten Krise auf dem weltweiten Automobilmarkt seit Jahrzehnten sieht Toyota aber offenbar für teure Vergnügen wie die Formel 1 keine Zukunft.

Der Kölner Rennsporttochter droht damit schlimmstenfalls die Abwicklung. „Wir planen unser Bestes, um eine Lösung für die Betroffenen zu finden“, heißt es bei Toyota.

Dürre Worte für die Beschäftigten aus 32 Nationen, die nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden wollte, sagte dem Handelsblatt, dass wohl nur rund 150 der 650 Leute weiter in Köln arbeiten würden. „Die anderen müssen gehen. Die Firma wird bestehen bleiben, auch der Sozialplan steht“, sagt der Mitarbeiter.

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