Trotz Ermittlungen
Ecclestone lässt sich Nürburgring nicht nehmen

Lust auf den Nürburgring: Trotz in Deutschland drohender Anklage wegen Bestechung weilt Bernie Ecclestone beim Grand Prix. Wie viel ihm an der Traditionsstrecke liegt, zeigte zuletzt auch ein finanzielles Agreement.
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Nürburgring/DüsseldorfDiesmal lässt sich Bernie Ecclestone seinen Deutschland-Besuch nicht nehmen. Ungeachtet einer möglichen Anklage vor dem Münchner Gericht ist der britische Formel-1-Geschäftsführer zum Heimrennen von Sebastian Vettel & Co. in die Eifel gereist. Am Freitagvormittag spazierte der 82-Jährige entspannt durchs Fahrerlager auf dem Nürburgring. Vor einem Jahr hatte er den Großen Preis von Deutschland in Hockenheim noch ausgelassen.

Auch, weil Tochter Tamara damals Probleme hatte, die er regeln musste. Dies und ein Treffen mit Olympia-Funktionären sowie mit einem amerikanischen TV-Sender hatte Ecclestone seinerzeit zu seiner Entschuldigung angeführt.

Ob es tatsächlich zur Anklage oder juristischen Maßnahmen kommt, ist weiterhin unklar. Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft sind seit Mai abgeschlossen, eine Entscheidung wird im Juli erwartet. Eine Gerichtssprecherin hatte im Juni erklärt, wegen notwendiger Übersetzungen noch mehr Zeit zu benötigen. ursprünglich sollte die Entscheidung im Juni gefällt werden.

Die Staatsanwaltschaft verwies auf Anfrage von Handelsblatt Online darauf, derzeit keine weiteren Angaben machen zu dürfen. Mit der Anklage verbunden können auch ein Strafbefehl und eine Einstellung mit Zustimmung des Gerichts sein. Ecclestone wird vorgeworfen, dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank rund 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben. Der Formel-1-Chef hat die Vorwürfe stets bestritten. Zuletzt sagte der Brite gegenüber der Zeitung „Times“: „Ich bin nicht schuldig. Aber wenn ich ins Gefängnis geschickt werde, muss ich damit klarkommen. Ich glaube nicht, dass es mir besonders gefallen würde. Aber man muss mit gewissen Dingen umgehen.“

Der bereits wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilte Gribowsky hat Medieninformationen zufolge bereits 2012 umfassend gegen Ecclestone ausgesagt und ihn schwer belastet. Das berichteten übereinstimmend „Süddeutsche Zeitung“ und „Münchner Merkur“.

Für Ecclestone ist der Nürburgring aber offensichtlich eine Herzensangelegenheit. Laut einem Bericht der „Bild“ hat er dem Nürburgring vor dem Großen Preis von Deutschland 14 Millionen Euro Antrittsgeld erlassen. Ohne das Entgegenkommen des britischen Multimilliardärs bei den relevanten Verhandlungen wäre der Große Preis von Deutschland zumindest auf dem insolventen Eifel-Kurs wohl nicht möglich gewesen. „Wir haben in kürzester Zeit Einigung mit Herrn Ecclestone erzielt. Über Details wurde Stillschweigen vereinbart“, sagte der Sprecher der Insolvenz-Verwalter, Pietro Nuvoloni, der Zeitung.

Monatelang hatte die Formel 1 um das Deutschland-Rennen auf dem Traditionskurs bangen müssen. Anfang des Jahres hatten sich die Verantwortlichen dann mit Ecclestone geeinigt. Details des Vertrags waren damals nicht bekanntgeworden. Schon als es auf dem Hockenheimring einmal ums Überleben der Formel 1 gegangen war, hatte sich Ecclestone großzügig gezeigt - so wie nun auch beim Nürburgring. „Herr Ecclestone hat mit seinem Bekenntnis zum Nürburgring den deutschen Formel 1-Fans einen großen Gefallen getan“, sagte Sachverwalter Jens Lieser. Der geschäftstüchtige Ecclestone dürfte jedoch, Leidenschaft hin oder her, nicht leer ausgehen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz Ermittlungen: Ecclestone lässt sich Nürburgring nicht nehmen"

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  • Lieber Eifeler,

    vielen Dank für das Feedback zu unserem Artikel. Sie fragen in Ihrem Kommentar, wie Sie den letzten Satz des Artikels verstehen dürfen. Als Leser stehen Ihnen selbstverständlich alle Interpretationsmöglichkeiten frei.

    Die Intention hinter der Aussage von unserer Seite ist jedoch abzubilden, dass nicht ausschließlich ideelle Werte Bernie Ecclestone bewegt haben, die Traditionsstrecke am Nürburgring finanziell zu stützen. Neben guten Willen sind eben knallharte geschäftliche Interessen ein wesentlicher Faktor. Das ist selbstverständlich nicht verwerflich und wird auch an keiner Stelle im Text so dargestellt. Im Gegenteil: Als Motorsportfan ist diese Entwicklung auch für mich persönlich erfreulich. Als Journalist - und ich maße mir an zu sagen, auch für den Leser - ist die Motivation dahinter von Interesse.

    Mit besten Grüßen aus Düsseldorf

    Alexander Möthe

  • "Der geschäftstüchtige Ecclestone dürfte jedoch, Leidenschaft hin oder her, nicht leer ausgehen."

    Wie liebes Handelsblatt darf ich das verstehen?
    Darf man keine Geschäfte mehr in Deutschland machen? Sollen nur noch alle subventioniert werden oder hartzen gehen oder per Steuergelder finanziert werden?

    Langsam zweifle ich an den "Journalisten" dieses Blattes!

    Außerdem ist es für die Eifel wichtig, dass dieser Mann Flage zeigt und der Region mit der Formel 1 auch ein finanzielles Ereignis ermöglicht.

    Aber anscheinend geht es euch in Düsseldorf von der Journaille noch so gut!

    Einer aus der Eifel!

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