Übernahme von Brawn
Daimler baut Formel-1-Engagement aus

Der Autobauer Daimler will in der Motorsportserie Formel 1 mehr Gas geben: Mercedes geht in der kommenden Saison mit einem eigenen Team an den Start, teilte Daimler-Chef Dieter zetsche am Montag mit. Dafür trennt sich der Autobauer von McLaren und übernimmt die Mehrheit am Brawn-Rennstall. Von der Arbeitnehmerseite kommt heftigste Kritik.
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ih/mwb/HB STUTTGART. Das Stuttgarter Unternehmen erwirbt mit Hilfe eines Investoren-Partners einen 75,1-Prozent-Anteil am Rennstall Brawn GP, der von 2010 an unter dem neuen Namen Mercedes Grand Prix an den Start gehen und im Silber-Design an den Mythos von Juan Manuel Fangio anknüpfen soll, der 1955 im letzten Werks-Boliden aus Stuttgart Weltmeister wurde. Mercedes übernimmt selbst 45,1 Prozent an Brawn, 30 Prozent gehen in die Hände des größten Daimler-Anteilseigners Aabar aus Abu Dhabi. 24,9 Prozent bleiben bei den bisherigen Besitzern, unter anderem Brawn und Team-Direktor Nick Fry. In diesem Jahr lieferte Mercedes die Motoren für den britischen Rennstall. Das Team von "Superhirn" Ross Brawn, der den Rennstall nach dem Ausstieg von Honda Ende letzten Jahres erst im März selbst übernommen hatte, holte mit Jenson Button den Fahrer-Titel und wurde zudem Konstrukteurs-Weltmeister.

Daimler-Chef Dieter Zetsche will allerdings weiter wie geplant die Ausgaben in der Formel 1 senken. Parallel zur Übernahme verkündete er daher auch die Trennung vom bisherigen Partner McLaren. Dieser soll innerhalb der nächsten zwei Jahre den 40-Prozent-Anteil von Mercedes zurückkaufen. Die Briten erhalten in Zukunft lediglich noch Motoren des Stuttgarter Autobauer - zunächst bis 2015.

Einsparungen von 75 Prozent

"Diese Neuausrichtung gibt uns die Chance, unser Formel-1-Engagement in Zukunft deutlich effizienter zu gestalten", erklärte der Daimler-Chef und stellte in Aussicht, bereits in zwei Jahren mit einem Viertel des bisher benötigten Geldes auskommen zu können. "Es ist eine hervorragende Plattform, um unsere großartige Tradition erfolgreich fortsetzen zu können", sagte Zetsche. Andere Autohersteller, wie Toyota, BMW oder Honda, die zuletzt aus der Rennserie ausgestiegen waren, würden neidisch auf Daimler sein. Daimler und die Marke Mercedes-Benz seien in der Vergangenheit stets erfolgreich in der Formel 1 unterwegs gewesen. Die Ausgaben für die Teilnahme an der Rennsportserie bezifferte er nicht. In der Branche hieß es zuletzt, Daimler lasse sich seine Aktivitäten bei der Tourenwagen-Meisterschaft und der Formel 1 pro Jahr rund 200 Millionen Euro kosten.

Die Trennung von McLaren hatte unabhängig von großen Skandalen durch die Spionage-Affäre 2007 oder die Lügen-Affäre um den Briten Lewis Hamilton 2009 vor allem die Bestrebung der Briten um McLaren-Chef Ron Dennis vorangetrieben, eigene Straßensportwagen zu bauen. Das hätte natürlich mit den Mercedes-Interessen nicht hundertprozentig übereingestimmt, sagte Zetsche: "Daraus haben wir die Konsequenzen gezogen." Stattdessen wird jetzt Brawn zum Silberpfeil-Werksteam, "das von uns kontrolliert wird". Für die Trennung von McLaren sei "eine friedliche Lösung gefunden worden", betonte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Imageverbesserung als Marketing-Ziel

Kurzfristig bedeutet die Übernahme von Brawn für Daimler allerdings eine Belastung. Marketingexperten sehen darin den Versuch, das Image der Automarke bei jüngeren Zielgruppen zu verbessern. "Mercedes hinkt bei Sportlichkeit und Dynamik eindeutig hinter den Konkurrenten Audi und BMW zurück", sagt Christian von Thaden, Sportmarketingexperte des Düsseldorfer Beratungsunternehmens BBDO Consulting. Gerade der Erfolg in der Wirtschaftswundergeneration habe die Marke für jüngere Leute unattraktiv gemacht. "Wer will schon das Auto kaufen, das bereits der Vater gefahren hat?"

Ob wichtig für das Image oder nicht: Ohne die Hilfe aus Arabien wäre der neue Formel-1-Deal wohl kaum zustande gekommen. Bislang ist Aabar gut mit Daimler gefahren. Der Staatsfonds aus Abu Dhabi war im März mit 9,1 Prozent bei Daimler eingestiegen und hatte rund 20,27 Euro pro Aktie bezahlt. Die damals zwei Mrd. Euro teure Beteiligung ist heute an der Börse mehr als 3,5 Mrd. Euro wert. Kein Wunder dass die Araber bei den Investments des Konzerns locker mitgehen. Bereits beim Einstieg mit zehn Prozent beim Elektrosportwagenbauer Tesla stand Aaber finanziell Pate.

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