Unfall von Jules Bianchi
„Die Formel 1 ist tödlich“

Der Taifun Phanfone kam nicht überraschend. Doch das Rennen in Suzuka fand statt. Marussia-Pilot Bianchi verunglückte schwer. Zuvor warnten der Automobil-Weltverband und die Fahrer selbst vor widrigen Verhältnissen.
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SuzukaDie Formel 1 muss sich nach dem schrecklichen Unfall von Jules Bianchi einer neuen Gefahrendiskussion stellen. Einige Fahrer und Teamvertreter beklagten nach dem Großen Preis von Japan am Sonntag die schlechte Sicht, weil das chaotische Regenrennen noch in vollem Gange war, als die Lichtverhältnisse nachließen. „Sie haben das Rennen zu spät beendet“, kritisierte Williams-Pilot Felipe Massa. Williams-Ingenieur Rob Smedley sprach von den dunkelsten Verhältnissen in den 15 Jahren, die er in der Formel 1 sei.

In Suzuka herrschten widrige Rennverhältnisse: Ein Taifun fegte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 144 Kilometern pro Stunde über die Südwestküste Japans hinweg. Mehr als 100 Flüge mussten am Sonntag gestrichen werden, fast 10.000 Haushalte waren ohne Strom. Und mittendrin fand ein Formel 1-Rennen statt.

Der Automobil-Weltverband FIA schlug vor dem Rennen mehrmals vor, das Rennen um vier Stunden vorzuverlegen, um eingeschränkte Sichtverhältnisse nach Anbruch der Dunkelheit zu verhindern. Auch eine Verlegung auf den Samstag war im Gespräch. Doch beide Vorschläge setzten sich nicht durch. Ein Rennstart um 11 Uhr hätte die Fernsehübertragung in vielen Ländern nämlich in die frühen Morgenstunden verschoben - für die Quoten ist dieser Zeitpunkt nicht gerade der Renner.

Formel 1-Boss Bernie Ecclestone hatte vor dem Rennen in einem Gespräch mit dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes seine Position klar gemacht: „Ich verschiebe gar nichts. Bis jetzt gibt es keine Veränderungen. Sollte es regnen, werden die Teams fahren. Niemand weiß, wie es sein wird. Ich habe gerade jemanden gefragt, und der sagte, das Wetter sei schön“, sagte der umstrittene Formel-1-Boss – im Nachhinein wirken diese Zitate nun besonders zynisch.

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  • Sobald beim Sport das Geld ins Spiel kommt, wird auf niemanden mehr Rücksicht genommen, auch nicht auf sich selber. Ob sehr viel Geld oder wenig Geld spielt keine Rolle, Hauptsache GELD, GELD, GELD. Gruß an alle Skispringer, Abfahrtsläufer, Freerider, Soloclimber, Tieftaucher, Fallschirmarbeiter, Basejumper, Red Bull-Abhängigen usw., bringt Euch in Sicherheit!

  • "Ein Rennstart um 11 Uhr hätte die Fernsehübertragung in vielen Ländern nämlich in die frühen Morgenstunden verschoben - für die Quoten ist dieser Zeitpunkt nicht gerade der Renner."

    Und wieder ein perfektes Beispiel, wie wenig Menschenleben wert sind, wenn der Gelderlös hoch genug ist. Außerdem ein "schönes" Beispiel, wie man den wahren Charakter eines Menschen hervorheben kann, nicht wahr Ecclestone?
    Alles Gute an Bianchi!

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