Beim 100-Meter-Finale
Judoka überwältigt Flaschenwerfer

Ein Zuschauer, der Sekunden vor dem 100-Meter-Finale eine Plastikflasche auf die Laufbahn war, wurde von der niederländische Judoka Edith Bosch umgehend bestraft. Die Bronze-Gewinnerin schlug den Briten auf den Rücken.
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LondonSo etwas nennt man „ausgleichende Gerechtigkeit“, meint jedenfalls Olympia-Cheforganisator Sebastian Coe: Ein Zuschauer hat Sekunden vor dem Start des 100-Meter-Finales am Sonntagabend eine Plastikflasche in die Arena geworfen. Dass eine Judoka hinter ihm saß, damit rechnete er wohl nicht. Die 32 Jahre alte Niederländerin Edith Bosch schlug ihm nach eigenen Angaben kräftig auf den Rücken, bevor er von Sicherheitsleuten hinausgebracht wurde. Am Montag wurde der 34 Jahre alte Mann aus Leeds angeklagt, noch am Nachmittag sollte er vor Gericht erscheinen, erklärte Scotland Yard.

„Ich bin nicht für Selbstjustiz, aber das war ehrlich gesagt ausgleichende Gerechtigkeit, ausgerechnet bei einer Judoka zu sitzen“, sagte Coe am Montag. Mit Blick auf solche Störungen verfolge man eine „Nulltoleranz-Politik“. „Eine Flasche auf das Spielfeld zu werfen ist nicht nur bei den Olympischen Spielen nicht akzeptabel, das gilt auch für jeden anderen Sportwettkampf.“

Die Plastikflasche war am Sonntagabend nur wenige Meter hinter den Startblöcken gelandet, in denen die Läufer um Superstar Usain Bolt bereits warteten. Der mutmaßliche Werfer habe auch Beleidigungen gerufen, erklärte ein Polizeisprecher. Es sei niemand verletzt und das Rennen nicht gestört worden.

Bosch, Judo-Medaillengewinnerin bei Olympia in Athen und Peking, erklärte dem niederländischen Fernsehsender NOS, sie habe hinter dem Flaschenwerfer gesessen und sei so wütend gewesen, dass sie den Mann mit der flachen Hand auf den Rücken geschlagen habe. „Wegen ihm habe ich das Finale verpasst, darüber bin ich sehr traurig.“

Beim Internetdienst Twitter schrieb sie: „Ein betrunkener Zuschauer hat eine Flasche auf die Strecke geworfen. Ich habe ihn geschlagen... unglaublich.“ Medien berichteten am Montag, der Mann sei Vater von zwei Kindern und Mitglied seines örtlichen Fußballvereins.

Die Athleten selbst ließen sich von dem Zwischenfall nicht stören. „Ich habe nur davon gehört, gesehen habe ich es nicht“, sagte Goldmedaillen-Gewinner Bolt. „Ich bin gegen Gewalt, insofern tut mir die Sache Leid.“ US-Sprinter Justin Gatlin erklärte: „Es war ein bisschen Ablenkung und ich wusste nicht, was da los war. Aber wenn man in diesen Blocks steht und das ganze Stadion ist still, würde man auch eine Nadel hinfallen hören.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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