Britta Heidemann im Interview
„Viele Sportler können nicht für später vorsorgen“

In London überzeugte Fechterin Britta Heidemann, holte Silber. Allerdings fürchtet sie, dass vielen Sportarten der Nachwuchs abhanden kommt - Schuld sei auch die mangelnde finanzielle Unterstützung durch Verbände.
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KölnHandelsblatt Online: Frau Heidemann, Sie haben in Peking die Gold- und nun in London die Silbermedaille gewonnen. Müssen Sie sich eigentlich noch Sponsoren suchen, oder kommen die auf Sie zu?

Britta Heidemann: Erstaunlicherweise war es in den letzten vier Jahren immer so, dass ich angesprochen worden bin. Wahrscheinlich haben sie mich in den Medien gesehen oder bei Veranstaltungen oder es sich rumgesprochen. Es ist toll mit Visa auch einen olympischen Hauptsponsor auf meiner Seite zu haben. Das hat mich noch mehr motiviert. Es tut gut zu wissen, dass an einen geglaubt wird. Das wirkt sich auch psychisch aus. Man hat dann irgendwie ein gutes Gefühl und das hat mich auch mitgetragen.

Können Sie es deswegen nachvollziehen, dass Athleten sich über mangelnde finanzielle Unterstützung des DOSB beschweren?

Es ist schon lange ein Problem des deutschen Sports, dass wenig Geld bei den Athleten direkt ankommt. Für viele ist es schwierig, sich zu finanzieren. Der olympische Sport sollte auch im Rahmen einer dualen Karriere als Beruf anerkannt werden. Die meisten olympischen Sportler können während ihrer aktiven Zeit nicht für später vorsorgen. Das hält viele Nachwuchsathleten davon ab, sich für den Spitzensport zu entscheiden.

Heißt das, Deutschland könnte im Medaillenspiegel immer mehr abrutschen?

Weltweit wird das Niveau einfach immer höher, weil viele Nationen viel Geld investieren und die Trainingsmöglichkeiten auch in Ländern wie China deutlich besser geworden sind. Deutschland muss sich an den internationalen Standard anpassen. Auf einem semi-professionellen Level können es viele Sportarten nicht mehr ganz nach oben schaffen. In Deutschland sollte eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion darüber stattfinden, welcher Wert dem olympischen Leistungssport zukünftig beigemessen werden soll.

Was sollte getan werden?

Wir brauchen professionelle Strukturen innerhalb der Verbände. Oft scheitert es an Kleinigkeiten, wie schlechter Kommunikation, dass vielleicht mal hier oder da eine Chance liegen gelassen wird. Ich denke, dass zum Beispiel Olympia-Siege von Peking 2008 nicht umfangreich und optimal als Werbung für den Sport genutzt worden sind.

Kommentare zu " Britta Heidemann im Interview: „Viele Sportler können nicht für später vorsorgen“"

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  • Ist uns der Medaillenspiegel den Aufwand wert? Berechtigte Frage, die ich aus meiner Perspektive mit "Ja" beantworten möchte. Wer sich die Berichte des Steuerzahlerbundes oder den Euro-Wahnsinn ansieht, erkennt, dass in Deutschland für völlig sinnlose Projekte Summen verschwendet werden, von denen der Sport nur träumen kann.

    Natürlich könnten wir uns die Sportförderung sparen. Deutschland, dass massgeblich auch vom Export von Prestige-Produkten (Mercedes, Porsche, BMW) lebt, würde sich dann der Welt als Nummer 27 in der Nationenwertung präsentieren.

    Welche Konsequenzen für die Wahrnehmung Deutschlands hätte das? Spitzensportler sind wie Fussballer Identifikationsfiguren. Fallen sie weg, werden sie durch andere ersetzt: Big-Brother-Stars, DSDS-Stars, Rappper, Serien-Helden. Ist uns das lieber?

    Der Spitzensport ist wie der Fussball und Tennis hoch professionalisiert, und dabei werden die meisten Athleten nicht annähernd die gleichen Summen verdienen.

    Last, but not least: Das Beachvolleyball-Endspiel Alison Cerrutti + Emanuel Sego gegen Jonas Reckermann + Julius Brink war ganz großes Kino !!! Da haben die Kritiker hier etwas verpasst ;-)

  • Ihrem Beitrag möchte ich meine volle Zustimmung geben. Als Steuerzahler möchte ich nicht einen Euro Steuergeld (nebenbei auch kein GEZ-Geld) in den Spitzensport gesteckt wissen, da dieser meinem persönlichen Wohl (und dem meiner gleichgesinnten) in keinster Weise zuträglich ist. Auch ich habe mir keine einzige Olympia-Übertragung angeschaut. Von diesen Ausgaben bleibt überhaupt nichts übrig. Hätte man mit dem vielen Geld dagegen Monumente gebaut, würde man sich noch in 1000 Jahren daran erfreuen ...

  • es ist halt wie überall. So wie normale Arbeitnehmer die überzogenen Gewinnerwartungen der Eigner, Heuschrecken und Sklavenhalterfirmen bezahlen müssen, so gibt es auch im Sport Parasiten.

    Gerade in London wurde deutlich, daß mit dem Verkauf von Werbe- und Übertragungsrechten das Geld gemacht wird. Die Leistungserbringe (hier die Sportler) gehen fast leer aus, dieWerbekonzerne profitieren!

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