Deutsche Springreiter
Ersatzgeschwächte Optimisten

Nach vier Ausfällen gehen die deutschen Springreiter nicht mehr als die großen Favoriten in den Wettbewerb - bleiben aber trotzdem optimistisch. Jetzt soll eine gesunde Mischung helfen: Junge Pferde und erfahrene Reiter.
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LondonEuropameister, Weltmeister - und nun Olympiasieger? So einfach ist das nicht bei den Springreitern. Die Leistungsdichte ist inzwischen enorm, und das deutsche Team ist nach vier Ausfällen ersatzgeschwächt. „Jammern gilt nicht“, sagte Bundestrainer Otto Becker vor dem ersten Springen am Samstag: „Wir haben trotz der Ausfälle, die uns stark getroffen haben, ein starkes Team.“

Becker bemüht sich um Optimismus. „Wir sind absolut wettbewerbsfähig und zählen zu den Medaillen-Kandidaten““, betonte der Coach. Beckers Gelassenheit kommt nicht von Ungefähr, denn in Deutschland gibt eine Vielzahl von Weltklassereitern.

Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue und Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) mit Lambrasco ritten vor zwei Jahren bereits im siegreichen WM-Team. Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) gehörte auch zu dem Gold-Quartett, wenn auch nicht mit ihrem jungen Olympia-Pferd Bella Donna. Vierter Teamreiter in London ist Christian Ahlmann aus Marl mit Codex One. Als ehemaliger Doppel-Europameister und Weltcupsieger ist auch er ein ausgewiesener Topreiter.

Beckers Optimismus färbt offensichtlich ab. „Wir haben ein paar Verluste“, sagte Meyer, „aber wir haben nach wie vor gute Chancen.“ Und Michaels-Beerbaum erklärte: „Wir haben junge Pferde, aber alle Reiter haben Erfahrung.“ Ihre Stute Bella Donna ist erst neun Jahre alt.

„Als Notnagel fühlt sich keiner“, versicherte Becker. „Alle sind froh, dass sie dabei sind.“ Er setzt auf den Teamgeist, den auch schon die goldenen Vielseitigkeitsreiter zeigten. Entsprechend begeistert war der Springreiter-Coach: „Wenn die Kollegen vorlegen, ist das gut. Es hilft uns, dass Euphorie da ist.“

Einen Vorteil haben die Ausfälle im deutschen Team. „Zumindest sind wir die Favoritenrolle los“, sagte Becker lächelnd: „Die hat jetzt Frankreich.“ Zu den Medaillen-Kandidaten zählt auch die zuletzt zweimal siegreiche US-Mannschaft, wenngleich in London keines der Gold-Paare von 2008 am Start ist. Aber auch Teams wie die Schweiz oder Schweden werden weit vorne erwartet.

Kurios: Ein ganz heißer Gold-Kandidat wäre - natürlich mit gesunden Pferden - die deutsche B-Mannschaft. Das ausgefallene Quartett mit Carsten-Otto Nagel (Norderstedt) auf Corradina, Ludger Beerbaum (Riesenbeck) auf Gotha, Marco Kutscher (Riesenbeck) auf Cornet Obolensky und Philipp Weishaupt (Riesenbeck) auf Monte Bellini würde jeder Mannschaft gut zu Gesicht gestehen..

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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