Erster Finaltag
Bronze, Silber, Gold – Kanuten starten glänzend

Vier Starts, vier Medaillen: Am ersten Finaltag haben die deutschen Kanuten eine grandiose Vorstellung abgeliefert. Sebastian Brendel im Einer wurde innerhalb eines Jahres vom großen Pechvogel zum großen Triumphator.
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EtonVier Medaillen und das Ende einer Siegesserie: Deutschlands Kanuten haben zum Auftakt der olympischen Finals von London ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Zum einen sorgten das Gold für Sebastian Brendel, Silber für den Vierer der Frauen und jeweils Bronze für die Kajak-Asse Max Hoff sowie Martin Hollstein und Andreas Ihle am Mittwoch am Dorney Lake in Eton überwiegen für Jubel. Zum anderen gab es bei den auf Gold programmierten Frauen zunächst nur bedrückte Mienen.

Ganz anders war die Mimik bei Sebastian Brendel nach seinem Coup. Ungläubig schüttelte er den Kopf nach dem Zieleinlauf: Olympiasieg über 1.000 Meter im Kajak-Canadier - der Pechvogel des Vorjahres ist mit 24 Jahren auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere. Noch bei der WM 2011 hatte ein gebrochenes Paddel seine Titelchancen zerstört, jetzt deklassierte der Europameister in Eton die Konkurrenz und gewann das erste Gold bei den Olympischen Spielen für die deutschen Kanuten.

„Das ist Wahnsinn. Nach 200 Metern habe ich gemerkt, dass es was wird“, sagte der Potsdamer noch schwer atmend. Der obligatorische Biss nach der Siegerehrung auf die Goldmedaille beseitigte auch seine letzten Zweifel. Er ist der erste deutsche Olympiasieger im Einer-Canadier seit dem Erfolg von Andreas Dittmer (Neubrandenburg) 2000 in Sydney.

Zuvor hatte Max Hoff bereits die erste deutsche Kanu-Medaille gewonnen. Mit einem fulminanten Endspurt sicherte sich der Europameister Bronze im Einer-Kajak über 1.000 Meter. Damit beendete der Essener eine lange Durststrecke in dieser Disziplin. Zuletzt hatte der Berliner Andre Wohllebe 1988 in Seoul ebenfalls mit Bronze die letzte deutsche Plakette gewonnen. „Das ist grandios“, meinte Hoff, der an diesem Donnerstag mit dem Vierer eine weitere Medaillenchance hat. Sieger wurde der Norweger Eirik Veras Larsen vor Adam van Koeverden aus Kanada.

Wie Hoff fuhr das Duo Martin Hollstein und Andreas Ihle im Zweier-Kajak über 1.000 Meter zu Bronze. Die Olympiasieger von 2008 in Peking mussten sich nur den Europameistern Rudolf Dombi und Roland Kokeny aus Ungarn vor dem Überraschungs-Team Fernando Timenta und Emanuel Silva aus Portugal geschlagen geben. „Das war in der Saison das härteste Rennen überhaupt. Wir haben die Bronzemedaille gewonnen und sind stolz darauf“, sagte der Neubrandenburger Hollstein. „Wir waren am Ende“, ergänzte der Magdeburger Ihle, der anschließend seiner Freundin Tina Dietze im Vierer-Kajak die Daumen drückte.

Weder dies noch der Beistand von Kugelstoßrecke David Storl hatten für Gold gereicht. Storl-Freundin Carolin Leonhardt, Franziska Weber, Katrin Wagner-Augustin und Tina Dietze wurden Zweite hinter Ungarn. Damit riss die olympische Siegesserie des Großbootes: Seit 1996 hatten nur Deutsche auf dem obersten Podest gestanden. Die Silbermedaille war eine kleine Enttäuschung für das Quartett.

„Wir hätten gern Gold gewonnen. Aber in einer Stunde können wir uns auch über Silber freuen“, sagte Franziska Weber, die mit Partnerin Tina Dietze an diesem Donnerstag im Zweier um Medaillen fährt. „Die deutsche Mannschaft gewinnt hier lauter Silber. Silber ist das neue Gold und wir haben uns da angeschlossen“, meinte Katrin Wagner-Augustin, die ihren fünften Olympiasieg verpasste. Beim Posieren mit der Silbermedaille vor der Brust hatten sich die Gesichter schon wieder aufgehellt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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