Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Die Festung London zittert Olympia entgegen

Zehntausende Sicherheitskräfte, ein Kriegsschiff und Flugabwehr: Die Angst vor Anschlägen bei Olympia hat London zur Festung werden lassen. Die Drohkulisse von München 1972 ist greifbar - ebenso wie die Gefahr von innen.
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LondonWährend einer Busfahrt in Englands Norden verhielt sich der Mann mehr als verdächtig: Er träufelte Flüssigkeit in einen Rucksack, aus dem anschließend Rauch aufstieg. Eine Bombe? Ein anderer Fahrgast alarmierte über sein Mobiltelefon die Polizei. Die handelte sofort: Eine Anti-Terror-Einheit sperrte die stark befahrene Autobahn M6 nördlich von Birmingham für sechs Stunden in beide Richtungen. Bewaffnete Polizisten stürmten den Bus, jeden Passagier durchsuchten sie akribisch. Sechs Stunden später gaben sie kleinlaut Entwarnung. Nicht eine Bombe, sondern eine Elektro-Zigarette war für die Rauchentwicklung verantwortlich.

Die Episode, die sich Anfang Juli in England ereignete, zeigt, wie groß unmittelbar vor der Eröffnung der Olympischen Spiele die Nervosität der britischen Sicherheitskräfte ist. Ein Terroranschlag gilt als eines der größten Risiken. Um die Gefahr in den Griff zu bekommen, hat sich London in den vergangenen Wochen in eine Festung verwandelt.

Dafür bricht England auch mit einer stolzen Tradition: In dem Land, wo die Bobbies nach wie vor nur mit Schlagstock und Handschellen auf Streife gehen, patrouillieren vor den Spielen bewaffnete Soldaten und Polizisten. Das größte Kriegsschiff der Royal Navy, die HMS Ocean, ist auf der Themse vor Greenwich im Osten Londons vor Anker gegangen. Der Hubschrauberträger, Basis für acht Kampfhelikopter, war unter anderem im Irak-Krieg im Einsatz. Weitere Einheiten mit Kampfhubschraubern sind östlich des Olympia-Stadions in Ilford stationiert; und vier „Typhoon”-Kampfjets sind in ständiger Bereitschaft. Wer die Flugverbotszone rund um London verletzt, wird im Zweifel abgeschossen.

Dafür hat die Royal Air Force neben den Kampfjets auch sechs Batterien mit Luftabwehr-Raketen rund um den Olympia-Park in Stellung gebracht – zwei davon befinden sich auf den Dächern von Wohnhäusern im Osten Londons. Insgesamt listet das britische Militär auf seiner Webseite 15 verschiedene Einheiten aus allen drei Waffengattungen auf, darunter Kampftaucher und Schnellboot-Kommandos, Bomben-Entschärfungsteams und Scharfschützen.

Das britische Boulevard-Blatt „The Sun“ spricht von einem „Stahlring um die Olympischen Spiele“, und der britische Olympia-Minister Jeremy Hunt versichert: „Wir werden nichts dem Zufall überlassen.“

Angesichts dieser Versprechen ist es umso überraschender, dass die bisher größte Organisationspanne in Sachen London 2012 ausgerechnet beim Thema Sicherheit passierte. Das Unternehmen G4S, das für die Sicherheit der Spielstätten verantwortlich war, musste knapp drei Wochen vor der Eröffnungsfeier zugeben, dass es nicht genug Personal rekrutieren konnte – statt der vertraglich zugesicherten 10.400 Wachleute sind bislang nur 5.800 ausgebildet und akkreditiert, und bei einigen Einsätzen im Vorfeld der Olympischen Spiele sind viele G4S-Beschäftigte nicht zum Job erschienen.

Einspringen muss jetzt das Militär: 18.200 Militärangehörige werden an den olympischen Spielstätten Taschen durchleuchten und Besucher abtasten. Dennoch gab es selbst im unmittelbaren Vorfeld der Spiele immer wieder Berichte über Lecks in Sicherheitskontrollen. So seien gerade an Flughäfen immer wieder Personen ohne Kontrollen an Bord von Flugzeugen gelangt. Noch am Mittwoch gelang es einem gerade 11-Jährigen so offenbar, sich einfach auf einen Flug von Manchester nach Rom zu schmuggeln.

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  • Da kann ich nur lachen, wenn der kranke Mann Europas seine Anti-Terror-Werkzeuge zur Schau stellt.
    Die bankrotten Briten können sich doch den Olympia-Schwachsinn gar nicht leisten, nachdem ihr erfolgreichstes Geschäftsmodell, das Finanz-Gangstertum, notleidend geworden ist.
    In GB sitzen die gleichen Vollidioten wie bei uns.
    Nur haben wir noch ein bischen mehr Kohle in der Kasse.
    Aber auch nicht mehr lange. Dann geht auch bei uns das Licht aus.

  • Verschwörungstheoretiker haben schon eine Top-3 aufgestellt:
    1. False Flag Nuklearangriff durch Hacker
    2. False Flag BIo-/Chemiewaffen
    3. False Flag Alien-Attack

    Oder Terroristen bringen Flugzeugträger mit Teppichmesser in ihre Gewalt.

    Ich hoffe mal es passiert nichts, wir haben schon genug Kriege und Krisen, da wäre ein friedliches Olympia eine angenehme Abwechslung.

    War es mal nicht so, dass während Olympia alle kriegerischen Handlungen eingestellt wurden?

  • das grösste britische kriegsschiff ist der miniflugzeugträger hms illustrious. die liegt egrade im stützpunkt im plymouth neben der victory. die hms ocean ist ein amphienschiff, das zugegebenermassen fast genauso gross ist.

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