Olympia in London
Wie grün die Spiele wirklich sind

Die Olympischen Sommerspiele in London kokettieren mit dem Beinamen „grüne Spiele“. Das ganze Konzept ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, an guten Ideen mangelt es nicht. In der Praxis jedoch hapert es vielerorts.
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LondonAuf den ersten Blick sehen sie aus wie ganz normale Sportklamotten von der Stange, nur die Farbkombination ist ein bisschen ungewöhnlich: Violett sind die Jacken, die Kragen und Bündchen knallrot. 70.000 freiwillige Helfer, die im Juli und August während der Olympischen Spiele in London den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite stehen, werden sie tragen – die ungewöhnliche Farbkombination sollen sicherstellen, dass man sie auf den ersten Blick erkennt.

Eines aber sieht man den Jacken aus dem Hause Adidas nicht an: dass sie aus Müll hergestellt sind. Die Kleidung für die Olympia- Freiwilligen produziert Adidas komplett aus Recycling-Material wie zum Beispiel alten PET-Flaschen.

Die 30. Olympischen Sommerspiele, die am kommenden Freitag in der britischen Hauptstadt eröffnet werden, sind nicht nur das größte Sportereignis der Welt – sie sollen auch das grünste aller Zeiten werden. Eine globale Marketing-Show für das Thema Nachhaltigkeit: „Vier Milliarden Menschen verfolgen die Spiele im Fernsehen, mehr als 200 Länder sind beteiligt – die Spiele sind ein konkurrenzloser Beschleuniger für nachhaltigen Wandel“, schwärmen die Organisatoren auf ihrer Webseite.

Schon, als sich London um die Spiele bewarb, war die Nachhaltigkeit eines der ganz großen Argumente. Autofreie Spiele versprachen die Organisatoren, eine Olympiade der kurzen Wege: 80 Prozent der Sportler sollten ihre Sportstätten innerhalb von 20 Minuten erreichen können, und der anfallende Müll sollte komplett wiederverwendet werden.

Aber wie grün sind die Spiele wirklich? Zwei Umweltschutzgruppen haben den Organisatoren jüngst ein durchwachsenes Zeugnis ausgestellt. „London 2012 hat die Latte in Sachen Nachhaltigkeit hoch gelegt“, sagte Sue Riddlestone, Chefin der Umweltschutzorganisation BioRegional, der britischen Tageszeitung „Guardian“. „Einige der Versprechen, die 2005 abgegeben wurden, werden aber nicht erfüllt“, betonte Riddlestone. Die Spiele seien weder vollständig klimaneutral noch müllfrei.

Besonders enttäuschend sei, dass mit Blick auf den Einsatz von erneuerbarer Energie die Ziele verfehlt werden. So begruben die Organisatoren schon vor zwei Jahren die Idee, ein 130 Meter hohes Windkraftwerk im Olympia-Park zu bauen. Das Projekt scheiterte an neuen, strengen Bauvorschriften. Die Turbine mit dem Spitznamen „Angel of Leyton“ hätte fünf Prozent der benötigten Elektrizität beisteuern sollen. Immerhin gibt es auf dem Gelände ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk, das hochmoderne Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung nutzt.

Auf den Olympia-Park sind die Organisatoren ohnehin besonders stolz – auch in Sachen Nachhaltigkeit. Sie haben eine kontaminierte Industriebrache innerhalb von wenigen Jahren in die größte Parklandschaft verwandelt wurde, die in den vergangenen 150 Jahren in Großbritannien entstanden ist. „Das ist wirklich eine gigantische Umwandlung – Nachhaltigkeit in großem Maßstab“, sagt David Stubbs, Nachhaltigkeits-Chef beim Organisationskomitee der Londoner Spiele (Locog).

Beim Bau der Sportstätten hat Locog den Unternehmen und ihren Zulieferern strenge Regeln auferlegt. Ein 32 Seiten dickes Pflichtenheft legt detailliert die zu erfüllenden Bedingungen fest. So durfte zum Beispiel nur Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verbaut werden.

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Kein Platz für Fahrradfahrer

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  • Ich kritisiere auch gerne aber trotzdem sollte man nicht übersehen, dass der Umweltgedanke bei den olympischen Spielen immer präsenter wird.
    Allein dass jede produzierte Tonne CO2, jeder Hektoliter Abwasser und jede Tonne Abfall gezählt und bilanziert wurden, finde ich gut.

    Ob die angekündugten zwei Drittel des verbauten Materials der Basketball-Arena nach Beendigung der Olympischen Spiele nun wirklich recycelt oder erneut verwendet werden, würde ich sehr gerne im Auge behalten.

    http://www.recyclingnews.info/zahl.php?zid=47

  • Ich werde die letzten Tage der olympischen Spiele in London sein und habe mir dort bereits ein Fahrrad reserviert, weil ich dachte, das sei eine gute Idee, um dem Verkehrschaos etwas aus dem Weg zu gehen.
    Aber was ich über die "Fahrradfahrerstadt London" so lese, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich nicht lieber darauf verzichten sollte.....

  • Es wird zur Legitimation dieser gigantischen, völlig unzeitgemässen Veranstaltung wieder viel heisse Luft abgelassen.
    Inkonsequent ist es z.B. die sog. "Olympische Familie" mit dem Auto ins Gelände zu lassen. Gerade Funktionären, Sponsoren, Politikern und sonstige Ehrengästen stände es gut zu Gesicht, leerem Gerede Taten folgen zu lassen. Würde man besagter Familie E- Bikes zur Verfügung stellen, kämen die auch unverschwitzt zu ihren Veranstaltungen.
    Das wäre beispielgebend und hätte für die Zukunft nicht nur für London etwas von Nachhaltigkeit.
    Der Queen und Prinz Phillip sollte man dann aber eine Sonderstellung einräumen und mit einem Elektroauto zur Eröffnung bringen.

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