Olympia-Partner Atos
Genaue Ergebnisse als Eigenwerbung

Die französische Firma Atos ist bei den Olympischen Spielen der wichtigste IT-Partner. Sollte der Dienstleister seine Sache gut machen, winken neue Kunden - für ein Unternehmen war London 2012 aber ein böser Rückschlag.
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LondonNichts soll hier ablenken von der Mammutaufgabe, die die Mitarbeiter bewältigen müssen. Keine Bilder an der Wand, keine gemütliche Kaffee-Ecke, keine Spielereien. Schlicht und farblos präsentiert sich das Großraumbüro in einem der Glastürme im Londoner Finanzviertel Canary Wharf. Hier reiht sich Schreibtisch an Schreibtisch, Rechner an Rechner. Die Bildschirme stehen teilweise in zwei Reihen übereinander.

Rund 500 Menschen arbeiten hier in drei Schichten, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche - in der Technikzentrale des französischen IT-Dienstleisters Atos. Es ist das Nervenzentrum der Olympischen Spiele, die am Freitag in London eröffnet wurden. Die Techniker hier haben es in der Hand, ob das Ereignis reibungslos funktioniert und von London aus die ganze Welt erreicht.

Atos ist einer der Sponsoren der Olympischen Spiele und gleichzeitig der wichtigste IT-Partner des Internationalen Olympischen Komitees. Die Franzosen tragen die Verantwortung dafür, dass die Ergebnisse der Wettbewerbe aus mehr als 100 Sportstätten in Sekundenbruchteilen übermittelt werden, die elektronischen Zugangskontrollen in den Wettkampforten nicht versagen, Hackerangriffe abgewehrt werden. Es ist eine der wohl schwierigsten Aufgaben in der Branche - aber eine, die sich laut Atos auszahlt.

„Es ist das einzige Großprojekt, bei dem man den Zeitplan nicht ändern kann“, sagt Patrick Adiba, der für solche Ereignisse zuständige Atos-Manager, „und bei dem man sich keine Fehler erlauben darf, denn wir haben nur einen Versuch.“ Schließlich könne man ein Rennen nicht wiederholen, wenn die Technik versage. Für potenzielle Kunden sei die Botschaft daher klar: Wenn Atos ein Mega-Event wie Olympia geräuschlos über die Bühne bringt, dann kann man dem Unternehmen einiges zutrauen.

Umstritten ist unter Experten indes, ob sich das Sponsoring von Olympischen Spielen auszahlt und wie man diesen Effekt am besten messen kann. Einig sind sie sich allenfalls in einem Punkt: Die Geldgeber können auf diesem Wege ihre Reputation aufbessern.

Potenzielle Kunden sehen die Sponsoren der Olympischen Spiele mit einer um 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als vertrauenswürdig und fähig an, heißt es in einer gerade veröffentlichten Studie der Beratungsfirma Havas.

G4S scheitert in der Vorbereitung

Das gilt umso stärker für Unternehmen wie Atos, die nicht nur Geld überweisen und ihr Logo zur Schau stellen, sondern auch ihr Können. Die Rechnung scheint aufzugehen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Atos seinen Umsatz um 76 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gesteigert, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Die operative Gewinnmarge stieg um zwei Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Deutschland und Großbritannien sind die wichtigsten Märkte. In Deutschland hat Atos vor einem Jahr die Siemens-Sparte SIS übernommen.

Neben Atos gehören die Anwaltskanzlei Freshfields und die Unternehmensberatung Deloitte zu den Sponsoren der Olympischen Spiele, die teilweise auch in Sachleistungen zahlen. Sie stellen Mitarbeiter ab, die sich beispielsweise um die Markenrechte kümmern oder beim Bau der Sportstätten beraten. Die Beteiligung an der Olympiade sehen die Unternehmen als Türöffner für weitere Aufträge. Genau das hatte sich auch der weltweit größte Sicherheitskonzern G4S erhofft. Doch vor zwei Wochen räumte das Unternehmen sein Versagen ein. G4S konnte nur einen Bruchteil der bestellten 10 000 Wachleute rekrutieren.

Atos ist bereits seit gut zehn Jahren für die Technik hinter den Olympischen Spielen verantwortlich. Mit der Entwicklung der IT-Infrastruktur für die Sommerspiele in London hat der Konzern vor drei Jahren angefangen.

Seit Ende 2010 hat Atos seine Systeme ausprobiert. Auf 200 000 Teststunden kamen die Mitarbeiter vor der Eröffnung der Spiele. Sie haben die Wettkämpfe simuliert, ebenso wie mögliche Probleme - etwa Unterbrechungen der Stromversorgung oder Ausfälle großer Teile der IT-Mitarbeiter.

Damit ähnliche Pannen wie bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 ausbleiben, als beim Halbfinale Deutschland gegen die Türkei die Fernsehübertragung unterbrochen wurde, hat Atos vorgesorgt. „Wir haben bei allen Anwendungen mindestens zwei Systeme parallel laufen“, sagt Adiba, „bei kritischen Anwendungen wie der Zeiterfassung sind es sogar vier.“

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