Olympisches Reitturnier
Vielseitigkeitsreiter holen doppeltes Gold

Die Vielseitigkeitsreiter haben dem deutschen Olympia-Kader die ersten Goldmedaillen beschert. Nach der Mannschaft gewannen Michael Jung auch im Einzel. Edelmetall schnappte sich zudem noch Sandra Auffarth.
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LondonFür den strahlenden Sieger hatten erst einmal die kleinen Kinder Vorrang. Doppel-Olympiasieger Michael Jung bückte sich herunter, schrieb im Greenwich Park in London zunächst einmal in aller Ruhe und selig lächelnd Autogramme, ehe er die vielen Fragen der internationalen Presse beantwortete. „Einzelsieger ist besonders schön, auch wenn erst die Mannschaft vorging“, sagte der glückliche Gewinner. Sein 30. Geburtstag war ein goldener geworden. „Das ist mit Abstand der beste Geburtstag“, meinte er. Doch: „Die Medaillen sind viel wichtiger.“

Der Vielseitigkeitsreiter hatte nach zwei Siegen innerhalb von drei Stunden Mühe, alles zu beantworten und „alles zu realisieren“. Jung hatte schließlich nicht nur wie 2008-Sieger Hinrich Romeike Gold mit der Mannschaft und im Einzel gewonnen. Er hatte auch Sport-Geschichte geschrieben: Er ist als bisher einziger Vielseitigkeitsreiter zugleich Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte der sonst eher zurückhaltende Profi aus Horb.

Bis zur allerletzten Sekunde des viertägigen Wettkampfes hatte es nicht nach Gold ausgesehen. Vielmehr hatte Jung schon die Gratulation seines Vaters Joachim zu Silber entgegengenommen, als das Pech seiner Konkurrentin Sara Algotsson-Ostholt ihm ein zweites Gold bescherte. Am letzten Hindernis riss die führende Schwedin mit ihrem Pferd Wega eine Stange - und aus Silber wurde für Jung und seinen Wallach Sam noch Gold.

Der Sohn sprang seinem Vater in die Arme. Die anderen Team-Mitglieder kamen hinzu und feierten mit, während die schwedische Delegation entsetzt schaute. „Ich freue mich natürlich, aber für sie ist es schwer“, sagte Jung. Das Glück der deutschen Reiter machte am Dienstag im Greenwich Park in London Sandra Auffarth aus Ganderkesee im Sattel von Opgun Louvo mit der Bronzemedaille perfekt. Die 25-Jährige schaffte wie Jung im Springen zwei Nullrunden, sprang nach Fehlern von zwei britischen Reiterinnen überraschend noch aufs Treppchen und war fassungslos: „Das ist supertoll.“

Jung und Auffarth blickten noch immer ungläubig, als der DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach sie ehrte. Algotsson-Ostholt hatte indes mit den Tränen zu kämpfen. „Das ist natürlich schwierig für sie“, sagte Jung verständnisvoll.

Zuvor hatten Jung und Auffarth gemeinsam mit Ingrid Klimke (Münster) auf Abraxxas, Dirk Schrade (Sprockhövel) auf King Artus und Peter Thomsen (Lindewitt) auf Barny auch den Mannschafts-Coup von Hongkong 2008 wiederholt. Souverän und überlegen hatten die schwarz-rot-goldenen Reiter die Konkurrenz hinter sich gelassen und auch im abschließenden Springen die Nerven behalten. Die Gastgeber durften sich mit Silber trösten, Bronze ging an die Neuseeländer.

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