Ruderin Drygalla
Sportausschuss befasst sich mit Neonazi-Affäre

Olympia-Ruderin Nadja Drygalla ist bereits aus London abgereist, ihr Fall beschäftigt nun aber auch den Bundestag. Der Sportausschuss wird sich mit den Vorwürfen befassen, es gäbe Kontakte zur Neonazi-Szene.
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Berlin/LondonDie Neonazi-Affäre um die deutsche Olympia-Ruderin Nadja Drygalla wird auch den Sportausschuss des Bundestags beschäftigen. Das Gremium werde sich "vermutlich noch im September" damit befassen, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) am Samstag im Deutschlandfunk. Unterdessen machten sich Politiker und Sportfunktionäre gegenseitig Vorwürfe.

Drygalla hatte nach Berichten über Kontakte zur rechtsextremen Szene die Olympischen Spiele in London am Freitagmorgen verlassen. Unklar blieb zunächst, wer schon vor Olympia von diesen Kontakten wusste. Die 23-jährige Sportlerin hatte deshalb bereits 2011 den Polizeidienst quittiert.

Die SPD-Politikerin Freitag sagte, sie sei "schockiert" angesichts der Berichte. Es müsse nun aufgeklärt werden, "wer wann was gewusst" habe. Zwar dürfe es keine "Sippenhaft" geben, aber einen solch gravierenden Vorwurf hätte sie "gerne im Vorfeld" der Olympischen Spiele geklärt gehabt. Sie stelle sich die Frage, warum die zuständigen Sportfunktionäre nichts gewusst hätten.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) machte Sportfunktionäre und -verbände verantwortlich. Er nannte es in der "Bild" vom Samstag "sehr ärgerlich", dass dieser Fall nun einen Schatten auf die Olympischen Spiele werfe. In die Gespräche mit Drygalla 2011 seien auch der Landessportbund und ihr Verein einbezogen worden. Für die Entsendung nach London sei nicht das Innenministerium, sondern der jeweilige Sportverband verantwortlich.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Thomas Bach, zeigte sich "erbost" über Aussagen von Politikern. Es sei "inakzeptabel, die Aussagen und das Vorgehen der Mannschaftsleitung in Zweifel zu ziehen", sagte Bach am Samstag in London, wie der Sportinformationsdienst berichtete.

Der Vorsitzende von Drygallas Heimatverein nannte es "erbärmlich", dass mit der Ruderin nun "ein junges Mädchen in Sippenhaft genommen wird". Der Vorsitzende des ORC Rostock, Walter Arnold, sagte dem "Focus", Drygallas Abreise aus London bedeute wohl das Ende ihrer sportlichen Karriere.

Die Rostockerin Drygalla hatte mit dem Frauen-Achter den letzten Platz belegt, sie sollte an keinem weiteren Wettbewerb teilnehmen. Der DOSB erfuhr nach eigenen Angaben erst am Donnerstag von Vorwürfen. Drygalla wird vorgeworfen, in einer Beziehung mit einem Mitglied der rechtsextremen Szene zu leben oder gelebt zu haben. Über ihre eigene politische Einstellung wurden unterschiedliche Angaben gemacht.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ruderin Drygalla: Sportausschuss befasst sich mit Neonazi-Affäre"

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  • Die Diskussionen um die Ruderin Nadja Drygalla gehen in eine bedenkliche Richtung und ich bin erschüttert über die "Hetze", die von vielen Medien initiiert wurde. Das hat nichts mit Demokratie und Freiheit zu tun.

    Man mag den Ansichten der NPD nicht zustimmen, aber aktuell ist die Partei (noch) nicht verboten. Folglich hat sie damit die gleichen Rechte, Ihre Ansichten vorzutragen, wie jede andere Partei auch. Das ist Freiheit und Demokratie! Die von den Medien und einigen Politikern vorgetragene Hetze finde ich - demokratisch und freiheitlich betrachtet - eine reine Katastrophe.

    Viele Grüße,
    S. Eckert
    Frankfurt

  • Ein weiteres typisches Beispiel in Deutschland,
    wie hier gesellschaftlich miteinander umgegangen
    wird.
    Sippenhaft darf es nicht geben, erst recht nicht
    wie hier praktiziert, an einem (und dazu einer
    jungen Frau) Sportler, die mit Politik sicher
    nichts / kaum etwas zu tun hat.

    Funktionäre von Staat, Deutscher Sporthilfe und
    Sportverbänden sollten sich lieber damit befassen,
    wie desaströs sich die Manschaft in fast allen
    Sportwettbewerben presentiert :
    weder kampfes- noch siegesbewehrt 1 !!
    Eine schleichende Degradierung der Leistungen
    (die mit der teilnehmenden Ländervielfalt rein
    garnichts zu tun hat) findet garantiert schon
    seit mindestens dem letzten Jahrzehnt statt.
    Aber wie immer, Schönreden und Minimalziele
    sollen auch das kaschieren.

    Hauptsache Deutschland ist wer, zumindest in
    der Wirtschaftskraft, erreicht auch durch viele
    Hungerlöhne.

    E. Steglich
    Bad Wörishofen
    .

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