Streiks in London
Olympia-Machern drohen Chaos-Spiele

Das größten Sportfest der Welt droht zum Chaos zu werden. Schon zur Eröffnung könnte es zu Störungen kommen, mehrfach wurden Streiks angekündigt. Für zusätzliche Unruhe sorgen Berichte über einen möglichen Anschlag.
  • 0

LondonDer Bürgermeister gab sich gelassen. London sei für die Olympischen Spiele bestens gerüstet, beharrte Boris Johnson am Wochenende - und schlug Befürchtungen wegen des Streiks der Grenzbeamten und neuer Warnungen vor Terroranschlägen kurzerhand in den Wind. Es gebe etwas „Lampenfieber“, aber „das ist normal, wenn die Menschen nervös sind und eine ganze Menge klappen muss“.

Zollbeamte wollen am Donnerstag, dem Tag vor der Eröffnung der Spiele, landesweit streiken. Schätzungen zufolge werden dann allein am Flughafen Heathrow 45 Prozent mehr Passagiere einreisen als üblich. Trotzdem zeigte sich Bürgermeister Johnson zuversichtlich, dass die Folgen des Streiks beherrschbar seien. Schon vor Wochen sei angesichts chronischer Personalengpässe Ersatzpersonal geschult worden, darunter Hunderte von Beamten aus Ministerien. Außerdem würden die meisten Zollbeamten die Spiele letztlich doch unterstützen und zur Arbeit erscheinen, glaubt Johnson.

Der Streik hat der Gewerkschaft PCS wegen seiner als „erpresserisch“ empfundenen Verbindung mit den Olympischen Spielen eine scharfe Kritik eingetragen und die Rufe nach einer Verschärfung der Gewerkschaftsgesetzgebung verstärkt. Nur 20 Prozent der wahlberechtigten Gewerkschaftsmitglieder nahmen an der Abstimmung teil. Davon stimmten 57 Prozent für den Streik - insgesamt also elf Prozent der Mitglieder.

Der Unternehmensverband CBI nannte den Streik „unglaublich“ und erneuerte seine Forderung nach einer Mindestbeteiligung von 40 Prozent bei Streikabstimmungen. Johnson und zahlreiche konservative Abgeordnete stehen seit langem hinter dieser Forderung.

Doch auch andere Arbeitnehmervertreter sehen im Mega-Ereignis Olympische Spiele eine einmalige Gelegenheit und haben mit Streiks oder Streikdrohungen Bonuszahlungen erstritten, die bei 500 Pfund für das Personal des städtischen Fahrradverleihs anfangen und im Falle der U-Bahn-Fahrer bis zu 6.000 Pfund (7.680 Euro) gehen können. Weitere „Olympia-Streiks“ wurden inzwischen vom Aufsichtspersonal der Londoner Nationalgalerie und Lokomotivführern auf Strecken von London in die East Midlands angekündigt.

Zur Beruhigung angespannter Nerven wird ein Bericht der „Sunday Times“ wenig beitragen, wonach eine iranische Terrorzelle in Europa Anschläge auf israelische Ziele während der Spiele plane - nach dem Muster des Münchener Anschlags von 1972. Der Terroranschlag auf israelische Touristen im bulgarischen Burgas letzte Woche sei die Generalprobe gewesen. Während Innenministerin Theresa May vergangene Woche sagte, es gebe keine „spezifische Terrordrohung“ gegen die Spiele, haben die britischen Geheimdienste MI5 und Scotland Yard laut dem Bericht ihre Risikoeinschätzung für das israelische Team heraufgesetzt.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Streiks in London: Olympia-Machern drohen Chaos-Spiele"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%