Twitter deckt auf
Die olympische WLAN-Polizei?

Bei Olympia herrschen strenge Sicherheitsvorschriften. Ein Twitter-User will sogar einen Ordnungshüter fotografiert haben, der nach illegalen WLAN-Hotspots fahndet. Die Behörden jedoch widersprechen dem Gerücht.
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Es sieht aus wie eine kleine rote Handschaufel, doch der Mann hält sie wie eine Pistole. An dem Gerät sind Kabel angebracht, die zu einem Rucksack führen. Der Mann ist von der „olympischen WLAN-Polizei“ – so zumindest hat Twitter-Nutzer @SadaoTurner das Bild beschrieben, das er jüngst bei Twitter hochgeladen hat. In seinem Post dazu schreibt er: „Something you won't see on TV, this is the Olympics Wi-Fi Police. They seek unauthorized wifi signals & shut them down.“ (Sinngemäß: „So etwas werdet Ihr nicht im Fernsehen sehen: die olympische WLAN-Polizei. Sie suchen unautorisierte WLAN-Signale und blockieren sie.“)

So eine Nachricht bleibt nicht lange im Netz stehen, ohne dass jemand auf sie aufmerksam wird. Nerdcore berichtet und auch Fefes Blog verlinkt das Bild. Ein offizielles Statement des olympischen Organisationskomitees LOCOG (London 2012 Organising Committee) sucht man jedoch vergeblich. Die Pressestelle wollte sich bislang nicht dazu äußern.

Was jedoch sicher ist: Das Olympische Komitee verbietet tatsächlich die Nutzung von kabellosen Netzwerkspots wie „WLAN Access Points“ und „3G Hubs“ – das steht ausdrücklich in einem Prospekt des LOCOG. Auf dem Nachrichtenaggregator Reddit.com äußern sich zudem Nutzer zur WLAN-Polizei, die sich mit dem Thema offenbar auskennen. So geht es laut der User im Kern darum, Rückkopplungseffekte und Interferenzen zu vermeiden, die entstehen, wenn zu viele Anwender ihre eigenen kleinen mobilen Hotspots nutzen würden. Gerade Foto- und Video-Kameras mit drahtlosen Verbindungen könnten dadurch gestört werden. Die WLAN-Polizisten könnten zudem mit ihren Geräten die Hotspots nur aufspüren, jedoch nicht blockieren.

DiePresse.com liefert jedoch noch eine weitere Erklärung für die WLAN-Polizei: Denn der „offizielle Kommunikationspartner“ der Sommerspiele ist die British Telecom, die laut Artikel 1.500 WLAN-Hotspots in London platziert hat. Diese kann man aber nur gegen Bezahlung nutzen. Das Nachrichtenportal berichtet, 90 Minuten würden rund acht Euro kosten, ein Tag 13 Euro und fünf Tage 34 Euro.

Update vom 07.08.2012: Die British Telecom hat aufgrund der Berichterstattung selbst beim LOCOG nachgefragt und auch Antwort erhalten: Der Mann mit der futuristischen Antenne arbeite demzufolge für die britische Medienaufsichtsbehörde Office of Communications (Ofcom) und überprüfe lediglich die Funkfrequenzen. Damit soll – wie bereits vermutet – verhindert werden, dass es zu Störungen in der Funkübertragung von drahtlosen Mikrofonen und Kameras kommt. Nur: Mit WLAN hätten diese Messungen überhaupt nichts zu tun.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

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