Verkehrschaos programmiert
Olympia bringt London ans Limit

Seit Monaten drängen Londons Verkehrsplaner Unternehmen in der Stadt, sich für Störungen durch die Olympischen Spiele zu wappnen. Die Botschaft ist nicht überall angekommen. Ein Stresstest lässt nichts Gutes erahnen.
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LondonDie Handlungsanweisung kommt etwas flapsig daher, doch sie ist ernst gemeint. „Hallo Leute, hier ist Euer Bürgermeister“, ruft Boris Johnson den Londoner U-Bahnnutzern in diesen Tagen im Stundenrhythmus durch die Lautsprecher zu. Die Olympischen Spiele seien einer der größten Sternstunden für die Stadt seit 50 Jahren. „Wir heißen mehr als eine Millionen Besucher täglich willkommen.“ Doch das habe auch eine Kehrseite: mehr Druck auf die öffentlichen Verkehrssysteme. „Damit ihr keine bösen Überraschungen erlebt: Geht ins Internet und plant eure Fahrten vorab.“

Mit Durchsagen wie diesen versucht Londons Bürgermeister eines der wohl größten Probleme zu entschärfen, das der britischen Hauptstadt während der Olympische Spiele droht: ein Verkehrschaos.

Schon in normalen Zeiten sind Busse und U-Bahnen häufig überfüllt. Fünf bis sechs Menschen teilen sich zur Hauptverkehrszeit einen Quadratmeter in der Londoner Tube. Es ist stickig und heiß - und die Pendler spotten: „Laut den Vorschriften der EU darf so nicht einmal Schlachtvieh transportiert werden.“

In den nächsten Tagen könnte es noch enger werden: Zu den täglich zwölf Millionen Fahrten kommen weitere drei Millionen hinzu. Die Verkehrsbehörde Transport for London (TfL) warnt daher bereits seit Monaten: „Wir müssen das Fahrgastaufkommen an kritischen Punkten um bis zu 60 Prozent reduzieren, um einen Verkehrskollaps zu verhindern.“

Die Verantwortlichen wissen: Es gibt fast keinen Spielraum mehr bei dem fast 150 Jahre alten Verkehrssystem. Bleibt ein Zug wegen eines Defekts stehen, kommt es zu einer Signalstörung, ist ein stundenlanges Chaos nicht mehr zu vermeiden – selbst in ganz gewöhnlichen Zeiten.

Großflächige Plakate an den U-Bahn-Stationen fordern die Londoner daher auf, während des Großereignisses zu Fuß zu geben, mit dem Rad zu fahren oder sich eine andere Alternative zu ihrer normalen Anfahrt ins Büro zu suchen. Hauptsache, die Menschen bleiben der Tube fern. 

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