Debatte um Trauerflor: Norweger entrüstet über IOC-Rüge

Debatte um Trauerflor
Norweger entrüstet über IOC-Rüge

Norwegens Sportlerinnen und Spitzenfunktionäre verteidigen das Tragen eines Trauerflors für den unerwartet verstorbenen Bruder der Langläuferin Astrid Jacobsen. Die IOC-Rüge sei menschlich nicht nachvollziehbar.
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SotschiDas IOC hat sich mit seinem problematischen Trauerverbot für Athleten einen sportpolitischen Fehlgriff geleistet. Norwegische Spitzenfunktionäre reagierten am Montag in Sotschi mit großem Unverständnis auf die IOC-Rüge für das Tragen eines Trauerflors. Dies sei menschlich nicht nachvollziehbar, sagte Inge Andersen, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees von Norwegen, der Nachrichtenagentur dpa. Zudem untersagte die Ringe-Organisation einigen Ski-Freestylern, mit Aufklebern auf ihren Helmen an den Tod ihrer vor zwei Jahren verunglückten Kollegin Sarah Burke aus Kanada zu erinnern.

Die Wettkämpfe seien wahrscheinlich nicht „der richtige Ort“, um Trauer auszudrücken, erklärte IOC-Sprecher Mark Adams. Das IOC habe „großes Mitgefühl“ und sei bereit, den Athleten auf Pressekonferenzen oder im olympischen Dorf bei der Trauerarbeit zu helfen. Burke war am 19. Januar 2012, neun Tage nach einem Trainingsunfall auf einer Halfpipe in Park City, im Alter von 29 Jahren gestorben.

Vier norwegische Langläuferinnen, Superstar Marit Björgen, Heidi Weng, Therese Johaug und Kristin Stoermer Steira, hatten sich nach dem Tod des Bruders ihrer Teamkollegin Astrid Jacobsen kurz vor Beginn der Spiele entschlossen, im olympischen Skiathlon am vergangenen Samstag aus Anteilnahme eine schwarze Armbinde zu tragen. Daraufhin schickte das Internationale Olympische Komitee (IOC) norwegischen Funktionären einen Brief. „Wir wollen diskutieren, warum es uns das IOC nicht gestattet hat, mit dieser Tragödie normal umzugehen“, sagte Andersen. „Das wäre in jeder Gesellschaft normal. Wir sind alle Menschen und halten dies in solch einer tragischen Situation für die angemessene Form. Das ist auch Therapie und ein Zeichen des Respekts.“


Das IOC hat strikte Regeln gegen Protestkundgebungen oder Propaganda während der Wettkämpfe und verbietet Demonstrationen jeglicher Art in olympischen Wettkampfstätten. Der norwegische IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg verteidigte die Entscheidung. Die Regeln müssten eingehalten werden, um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Schließlich sei das IOC für 204 Nationale Olympische Komitees verantwortlich. „Als Norweger kann ich absolut verstehen, was passiert ist. Diese vier Mädchen wollten ihre Anteilnahme zeigen. Als Mensch habe ich vollstes Verständnis dafür, aber als IOC-Mitglied kann ich sehen, dass die Konsequenzen nicht gut sind.“

Die Norweger bestätigten am Montag, dass sie von jetzt an keinen Trauerflor mehr tragen wollen. Skiathlon-Olympiasiegerin Björgen erklärte aber: „Es hat sich gelohnt.“ Jacobsen will am Dienstag im Freistil-Rennen starten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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