Olympia in Sotschi: Deutsche Biathletinnen erleben Debakel

Olympia in Sotschi
Deutsche Biathletinnen erleben Debakel

Unter dem Eindruck des Doping-Verdachts gegen Evi Sachenbacher-Stehle haben die deutschen Biathletinnen in der abschließenden Staffel enttäuscht. Deshalb reisen sie erstmals ohne eine olympische Medaille nach Hause.
  • 0

Krasnaja PoljanaNach dem Bekanntwerden der positiven Doping-Probe von Evi Sachenbacher-Stehle haben die Biathlon-Damen zum Abschluss der Olympischen Winterspiele auch sportlich ein weiteres Debakel erlebt. Mehr als Platz elf nach einem Sturz und zu vielen Fehlschüssen war für Franziska Preuß, Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier nicht drin. Erstmals seit 1992 blieben damit deutsche Skijägerinnen ohne Olympia-Medaille, in den Staffeln hatte es jedes Mal Edelmetall gegeben.

Gold holten sich die Ukrainerinnen, für die der Triumph nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrer Hauptstadt Kiew besonders emotional war. Silber holte Russland, Bronze ging an Norwegen.

Das deutsche Quartett konnte offenbar die Nachrichten um die positive Doping-Probe von Evi Sachenbacher-Stehle nicht verkraften. „Wir waren alle schockiert, aber wir versuchen, uns auf das Rennen zu konzentrieren“, sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig. „Wir haben versucht, den Fokus auf das Sportliche zu lenken, dass sie sich nicht abbringen lassen.“

Der Computer sollte aus bleiben, die Handys zur Seite gelegt werden. Sachenbacher-Stehle war für das 4 x 6 Kilometer nicht nominiert worden. „Die Staffel wurde aus rein sportlichen Gründen so aufgestellt“, stellte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach vor dem Startschuss noch einmal fest.

Alle Maßnahmen zur Ablenkung waren schnell Makulatur. Schon nach 600 Metern waren die Medaillen-Hoffnungen dahin. Startläuferin Preuß stürzte, der Stock brach. Als Letzte kam sie zum Schießstand, im Gewehrlauf war Schnee. Die 19-Jährige nahm das Magazin aus der Waffe, versuchte den Lauf zu reinigen.

Dann benötigte sie noch drei Nachlader und machte sich mit einem Rückstand von fast zwei Minuten auf den Weg. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, stöhnte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang. „Diese verfluchten Spiele.“ Noch schlimmer erwischte es die Französinnen: Ihre Startläuferin Marie Laure Brunet kollabierte auf der Strecke, musste ärztlich versorgt und weggetragen werden.

Besonders bitter war der Olympia-Abschluss für die 36-jährige Henkel. Die zweimalige Olympiasiegerin von 2002 bestritt ihr letztes Olympia-Rennen - doch das war eher eine Randnotiz. Auch sie vermochte ihren wesentlich jüngeren Teamkolleginnen nicht mehr zu helfen. Die fast drei Minuten Rückstand, die sie von Preuß übernommen hatte, konnte sie trotz nur eines Nachladers nicht mehr verkürzen. Hildebrand und die dreimalige Junioren-Weltmeister Dahlmeier brachten das Team noch auf Rang elf.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Olympia in Sotschi: Deutsche Biathletinnen erleben Debakel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%