Olympia in Sotschi
Deutsche Langlauf-Herren bleiben ohne Medaille

Drei Langläufer auf Abschiedstour: Die deutsche Langlaufstaffel beendet am Ende der Saison geschlossen die Karriere – die olympische Krönung bleibt ihnen aber versagt. Besonders ärgerlich ist der Sturz von Jens Filbrich.
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Krasnaja PoljanaNach der deprimierenden olympischen Staffel-Abschiedsvorstellung bewahrten Deutschlands Langlauf-Senioren nur mühsam die Contenance. Ein unverschuldeter Sturz von Startläufer Jens Filbrich zerstörte am Sonntag schon früh alle Hoffnungen auf einen Medaillen-Coup und verhagelte auch Axel Teichmann und Tobias Angerer gründlich die Laune. „Für mich ist es insofern bitter, als dass ich bei Olympia nie mit der Staffel auf dem Podest stehen konnte. Das ärgert mich am meisten“, sagte Teichmann mit versteinerter Miene und kündigte an: „Heute Abend werde ich mein erstes Bierchen bei den Spielen trinken. Jetzt müssen wir erst mal die Birne wieder frei kriegen.“

Bundestrainer Frank Ullrich versuchte seine Schützlinge mit einem kräftigen Schulterklopfer aufzumuntern und richtete den Blick sofort nach vorn. „Das Leben geht weiter. Wir müssen jetzt wieder aufstehen, um noch etwas mitzunehmen.“ Filbrich dürfte es jedoch schwerfallen, das Missgeschick schnell abzuhaken.

Als er vom Italiener Dietmar Nöckler nach eigener Aussage „über den Haufen gerannt“ wurde, schossen ihm schon auf der Strecke traurige Gedanken in den Kopf. „Im ersten Moment denkt man: Scheiße, das kann doch jetzt nicht wahr sein. So viele Millionen Menschen gucken zu und drücken dir die Daumen, und dann legst du dich mit so einem Crash auf die Nase“, berichtete der Frankenhainer.

Danach war das Rennen gelaufen für das DSV-Quartett, deren Schlussläufer Hannes Dotzler nach 4 x 10 Kilometern als Neunter mit einem Rückstand von über zweieinhalb Minuten auf Olympiasieger Schweden ins Ziel kam. Die Russen feierten unter dem Beifall von Präsident Wladimir Putin Silber vor den starken Franzosen, die die zweite Langlauf-Medaille in ihrer olympischen Geschichte bejubelten.

Edelmetall im Sinn hatten auch Teichmann, Angerer und Filbrich, die am Saisonende ihre Karriere beenden. Am Ende blieb nur Frust. „Es tut mir so leid, Axel“, stammelte Filbrich in der Zielzone. Nöckler nahm dem Thüringer die Vorfahrt - damit war alles aus. „Es ärgert mich maßlos, der Sturz hat alles über den Haufen geworfen. Es ist extrem bitter, dass mir das ausgerechnet in meiner letzten Olympia-Staffel erstmals passiert ist“, erklärte Filbrich.

Mehr als eine halbe Minute Rückstand war schon zu viel beim ersten Wechsel. „Nach so einem Sturz schießt das Adrenalin in die Beine. Alles wird fest“, entschuldigte sich Filbrich, dessen Ski sich zu allem Unglück auch noch verhakten. Teichmann konnte die Lücke nicht mehr schließen. Die Führenden waren zu stark. „Die hätten sich mal einen halben Kilometer uneinig sein müssen, dann wäre vielleicht noch was gegangen“, analysierte er seinen Part.

So lagen die letzten Hoffnungen bei Angerer, doch der Vachendorfer kämpfte gemeinsam mit dem Norweger Martin Johnsrud Sundby vergeblich um den Anschluss. „Ich bin volles Risiko gegangen. Leider haben sie genau in dem Moment vorn Druck gemacht, als wir fast ran waren. Danach war ich blau“, berichtete „Tobi“ mit gequältem Lächeln und verabschiedete sich zum Frustbier: „Es war ein harter Tag. Manchmal ist der Sport extrem grausam.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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