Pleite-Biathletinnen
„So schlecht wie noch nie“

Franziska Preuß gibt nach fünf Fehlschüssen auf. Andrea Henkel tritt gar nicht erst an. Für die restlichen deutschen Biathletinnen bleiben die Ränge 13, 20 und 38. Eine desolate Leistung. Sind die Trainer Schuld?
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Krasnaja PoljanaNach der nächsten Olympia-Pleite gab es bittere Tränen bei den deutschen Biathletinnen. Beim zweiten Olympiasieg der Weißrussin Darja Domratschewa war das ohne die erkrankte Andrea Henkel laufende Quartett im Einzel-Wettbewerb über die 15 Kilometer völlig chancenlos. „Jetzt haben wir viel Aufbauarbeit zu leisten“, sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig. Der erhoffte Schub für sein Quartett durch die Silbermedaille von Erik Lesser tags zuvor blieb aus.

Einziger kleiner Lichtblick war die erst 20 Jahre alte Laura Dahlmeier. Mit einer Strafminute landete die dreimalige Junioren-Weltmeisterin auf dem 13. Platz. Evi Sachenbacher-Stehle lag nach drei Schießfehlern im ersten Anschlag früh aussichtslos zurück. Zwar traf die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin die nächsten 15 Scheiben, doch zu mehr als dem 20. Rang mit 4:10,8 Minuten Rückstand reichte es am Freitag nicht. „Die Mädchen wollten unbedingt den schlechten Eindruck vom Verfolger wegwischen. Als der Druck weg war, ging es auf einmal“, meinte Hönig.

Franziska Hildebrand traf 18 der 20 Scheiben, hatte in ihrem ersten Olympia-Wettkampf in den Bergen über Sotschi als 38. aber indiskutable 5:46,8 Minuten Rückstand. Sie hielt trotz Krämpfen aber wenigstens durch. „So schlecht ging es mir noch nie“, sagte sie. Franziska Preuß dagegen wurde von den Bundestrainern nach dem zweiten Schießen mit insgesamt fünf Fehlern aus dem Rennen genommen. „Unser Teamküken ist für den Massenstart qualifiziert und wir brauchen sie auch noch für die Staffel“, begründete Hönig die Maßnahme. Die 19-Jährige war danach in Tränen aufgelöst und musste von Mannschafsarzt Klaus Marquardt getröstet werden.

„Dabei wäre es heute leicht gewesen. Es wurden brutal viele Fehler geschossen. Und wir mit unseren eigentlich guten Schützinnen geben noch einen drauf. Für uns war das Rennen schon früh gelaufen“, klagte der Bundestrainer. Sein in Diensten der Weißrussen stehender Altenberger Kollege Klaus Siebert durfte sich dagegen erneut freuen. Sein Schützling Darja Domratschewa holte sich drei Tage nach Verfolgungs-Gold auch den Olympiasieg im Biathlon-Klassiker.

Die deutschen Skijägerinnen dagegen konnten erneut die Erwartungen nicht erfüllen. Dem mit 25 Olympia-Medaillen erfolgsverwöhnten Damen-Team droht nun das, was die Männer vor vier Jahren in Vancouver erlebten: Olympische Winterspiele ohne Edelmetall. Danach gab es bei den Männern einen Neuaufbau, das könnte nun auch den Frauen bevorstehen. Zwar sei sie zu weit weg vom Team, sagte Rekordweltmeisterin und Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner in der ARD. „Aber es schadet nie, wenn ein frischer Wind weht. Da müssen auch mal alte Strukturen verändert werden.“

Biathlon-Geschichte hätte neben Tora Berger, der Einzel-Olympiasiegerin von 2010 aus Norwegen, auch Andrea Henkel schreiben und als erste Skijägerin zweimal Olympia-Gold im Einzel gewinnen können. Doch eine Erkältung machte der Thüringerin einen Strich durch die Rechnung. Zwölf Jahre nach ihrem Überraschungssieg in Salt Lake City wurde die 36-Jährige wegen ihres Hustens geschont.

„Es ist die einzige Möglichkeit wieder gesund zu werden, um dann hoffentlich die drei noch ausstehenden Rennen mit besseren Chancen antreten zu können“, teilte die WM-Zweite des Vorjahres über die 15 Kilometer mit. Schon vor dem Rennen hatte sie sich gegrämt: „Es wird nicht einfach für mich.“

„Ich denke, den Einzel wegzulassen ist die beste Entscheidung. Dann hat sie noch den Massenstart und die beiden Staffeln. Es gibt also noch einige Chancen“, machte Magdalena Neuner ihrer früheren Kollegin Mut. „Ich weiß, wie sie sich jetzt fühlt, zumal Andrea in ihrer langen Karriere noch nie bei großen Titelkämpfen krank war.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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