Schwacher Start
Friedrich wahrt Chance auf Bronze

Das olympische Erbe von Christoph und André Langen wiegt schwer: Im Zweierbob fahren die deutschen Piloten schon zur Halbzeit hinterher. Immerhin: Youngster Friedrich kämpft noch um Bronze.
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Krasnaja PoljanaDas Erbe der Bob-Olympiasieger Langen & Lange ist in großer Gefahr. Die deutschen Piloten haben zum Auftakt der olympischen Zweierbob-Rennen von Sotschi enttäuscht und schon zur Halbzeit einen deutlichen Rückstand auf die Medaillenplätze eingefahren. Weltmeister Francesco Friedrich fiel am Sonntag mit Anschieber Jannis Bäcker im zweiten von vier Durchgängen vom fünften auf den siebten Platz zurück und hat zwei Zehntelsekunden Rückstand auf den Bronzerang.

„Wir fallen gnadenlos unten weg und wir wissen selber noch nicht, warum“, sagte Friedrich in der ARD und stimmte der Analyse eines „Desasters“ zu. „Den anderen beiden Jungs ging es genauso, wir müssen jetzt das Video analysieren.“ Cheftrainer Christoph Langen zeigte ein fassungsloses Gesicht angesichts der Resultate. „Was wir heute verloren haben, können wir morgen nochmal aufholen“, sagte Langen kämpferisch. „Sicherlich haben wir Probleme mit dem Schlitten, aber wir haben auch am Start zu viele Hundertstel verloren.“

Der russische Fahnenträger Alexander Subkow geht als Führender mit großem Vorsprung in den zweiten Tag. Zweiter ist der Schweizer Beat Hefti vor dem Amerikaner Steven Holcomb. Thomas Florschütz und Kevin Kuske kamen nur auf Rang zehn. Fassungslos saß der Pilot auf dem Rand der Bahn. „Wir haben praktisch keine Medaillenchance mehr“, sagte Florschütz, der das Material als entscheidend bezeichnete. „Normalerweise kann man mit den Startzeiten was erreichen, das ist aber nicht so. Das ist schade, das macht einen traurig, weil die ganze Saison ähnlich gelaufen ist.“ Viererbob-Weltmeister Maximilian Arndt landete mit Alexander Rödiger auf Platz 14.

Gleich zum Auftakt der olympischen Bobrennen droht den Deutschen - wie zuvor im Skeleton - damit im kleinen Schlitten ein medaillenloses Abschneiden. Das hatte es zuletzt 1994 in Lillehammer gegeben. Danach holte der heutige Cheftrainer Christoph Langen Bronze in Nagano und vier Jahre später in Salt Lake City Olympia-Gold. Diese Serie setzte André Lange mit den Siegen in Turin und Vancouver fort.

„Morgen ist Vollangriff, vielleicht treffen wir beide Läufe morgen richtig gut“, sagte der Oberbärenburger Friedrich, der im ersten Lauf in Kurve sieben oben die Bande touchierte und somit wertvolle Zeit im Eiskanal verschenkte. Nach 4,84 Sekunden im ersten Lauf konnten er und Bäcker im zweiten Durchgang (4,89) aber auch am Start nicht mehr mit der Elite mithalten. Der Lette Oskars Meldbardis stellte in 4,78 Sekunden einen Rekord auf den ersten 50 Metern auf.

Der Olympia-Zweite von Vancouver, Thomas Florschütz, war mit seiner ersten Fahrt eigentlich zufrieden und wirkte deshalb etwas ratlos: „Die Platzierung ist natürlich nicht zufriedenstellend, ich wüsste auch gar nicht, was wir jetzt noch ändern sollen.“ Der erfahrene Florschütz hatte schon nach den Trainingsläufen erkannt: „Gold ist ein bisschen Fantasie, ich denke, wir sollten kleinere Brötchen backen.“

Ärger hatte es für die Deutschen im Training gegeben. Sie durften nur von den letzten Plätzen auf einer ramponierten Piste starten. Der Weltverband FIBT hatte sie bestraft, weil ihre Trainer zu spät zur Teamleitersitzung erschienen waren. „Das finde ich eigentlich ungerecht, da hätte es eine Geldstrafe auch getan. Immerhin werden damit die Athleten bestraft“, meinte Florschütz, während Arndt kommentierte: „Unsere Trainer haben sich da einen Superschachzug einfallen lassen. Es wäre schön gewesen, mal früher zu fahren auf blanker Piste, um zu sehen, wie sich der Bob dann verhält.“


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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