Winterspiele in Sotschi
Deutsches Team trotzt Olympia-Kritik

Russland lässt sich die Stimmung vor den bis dato teuersten Winterspielen nicht verhageln. Genauso wenig wie das deutsche Team, das ehrgeizige Ziele hat: ein Platz unter den drei besten Nationen.
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FrankfurtVorhang auf für das Ringe-Spektakel auf Eis und Schnee! Wenn „Zar“ Wladimir Putin an diesem Freitag im neuen Fischt-Stadion an der Schwarzmeerküste die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet, gehört die Bühne nach wochenlangen Diskussionen über Terrorgefahr, Menschenrechtsverletzungen, Umweltsünden, Gigantismus und explodierende Kosten den Athleten. „Ich freue mich, dass es losgeht. Alle sind frohgemut mit Vorfreude und Zielstrebigkeit angereist“, verkündete DOSB-Boss Alfons Hörmann am Donnerstag. Nach den vielen Negativschlagzeilen über Putins Propaganda-Spiele konnte und wollte sich Hörmann einen kleinen Seitenhieb vor der Eröffnung, bei der Alpin-Ass Maria Höfl-Riesch die deutsche Fahne tragen wird, nicht verkneifen. „Der erste Eindruck ist erstaunlich positiv. Von vielen Schwachstellen war wenig zu sehen. Nachdem so viel spekuliert wurde, was nicht funktionieren könnte, muss man sagen: Kompliment an die Gastgeber“, lobte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Wie in Vancouver vor vier Jahren soll Deutschland auch bei den Milliarden-Spielen in Sotschi zu den besten drei Nationen gehören. „Unser Ziel sind wieder mindestens 30 Medaillen plus eins. Wir wollen in der Nationenwertung auf dem Treppchen landen“, verkündete Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Chef de Mission.
Dafür wurden im Vorfeld weder Kosten noch Mühen gescheut. Das gilt auch für den Ausrichter. Mit Gesamtkosten von rund 37,5 Milliarden Euro leistet sich Russland die teuersten Olympischen Spiele der Geschichte. Für Putin ist die 17-tägige Leistungsschau im Kaukasus ein Prestigeprojekt ohnegleichen, das der Welt die neue Stärke des Landes demonstrieren soll.

In anderen Teilen der Welt stoßen der Gigantismus und die politischen Rahmenbedingungen auf Kritik. Gleich reihenweise sagten Staatsoberhäupter wie US-Präsident Barack Obama oder Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Reise ans Schwarze Meer ab.
Putin will sich seine Spiele dadurch nicht kaputtmachen lassen, genauso wenig wie durch immer neue Terrorwarnungen. Während Sportler und Zuschauer in der Olympia-Region Quartier beziehen, sorgen die USA mit der Warnung vor Sprengstoff-Bestandteilen in Zahnpasta-Tuben für neue Ängste. Daraus könnten Terroristen auf dem Flug nach Sotschi Bomben bauen und diese womöglich unbemerkt ins olympische Dorf bringen.

Nach den verheerenden Terroranschlägen Ende Dezember im rund 700 Kilometer entfernten Wolgograd steht das Thema mehr denn je im Brennpunkt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, steht ein riesiges Aufgebot an Einsatzkräften parat. Russlands Vize-Regierungschef Dmitri Kosak bekräftigte am Donnerstag, die Spiele seien sicher.
Für die 153-köpfige deutsche Mannschaft sollen sie auch heiter werden. „Sicher muss alles optimal und perfekt laufen, um diese 30 angestrebten Medaillen zu gewinnen. Aber man muss ehrgeizige Ziele haben. Tiefstapeln braucht man nicht“, versicherte Fahnenträgerin Höfl-Riesch. Die 29-Jährige gehört in den insgesamt 98 Entscheidungen neben den Rodlern um Olympiasieger Felix Loch und Ausnahmekönnern wie dem Nordischen Kombinierer Eric Frenzel zu den größten deutschen Gold-Hoffnungen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Olympische Spiele???? "Prestige Spiele für Geldsäcke" wäre wohl treffender. Wer sich dieses Spektakel ansieht, dem fehlen 99 Pfennig an der Mark!

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