Winterspiele in Sotschi
Sieg im Skisprung, Eklat bei Gold-Rodlerinnen

Am Dienstag regnete es Medaillen für Deutschland: Erst siegte Natalie Geisenberger vor Tatjana Hüfner im Rodeln. Dann holte Carina Vogt im Skisprung überraschend den Sieg. Der Abend kaschiert ein Biathlon-Debakel.
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Krasnaja Poljana, SotschiNach ihrem Gold-Flug in die olympischen Geschichtsbücher kauerte Carina Vogt eine gefühlte Ewigkeit im Auslauf, dann fiel sie beim Anblick der historischen 1 weinend in den Schnee und wurde von ihren Teamkolleginnen vor Freude schier erdrückt. Bei der Olympia-Premiere des Damen-Skispringens krönte sich die 22-Jährige am Dienstag zur ersten Olympiasiegerin und sorgte mit ihrem zugleich ersten Karriere-Erfolg für das vierte Gold der deutschen Mannschaft bei den Winterspielen in Sotschi.

„Ich kann noch gar nicht fassen, was hier passiert ist. Die Sekunden, bis das Ergebnis an der Anzeigetafel aufleuchtete, waren schrecklich. Ich kann das gar nicht glauben“, beschrieb Vogt unter Freudentränen ihre Gefühle. „Wir hatten mit Rang zwei oder drei geliebäugelt. Aber Olympia und der Sport schreiben immer wieder neue Geschichten“, jubelte Bundestrainer Andreas Bauer über den unerwarteten Triumph und dankte seinem gesamten Trainerteam: „Was sich in den vergangenen drei Jahren aufgebaut hat, ist einmalig.“

Am Morgen war Vogt mit Halsschmerzen aufgestanden. „Ich dachte nur: Jetzt geht es bei ihr auch los“, berichtete Bauer. „Aber die Ärzte haben tolle Arbeit geleistet.“ Mit 103 und 97,5 Metern verwies die Bundespolizistin aus Degenfeld in einem dramatischen Finale die Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz um 1,2 Punkte auf Rang zwei. Dritte wurde die Französin Coline Mattel vor Top-Favoritin Sara Takanashi aus Japan, die in diesem Winter zehn von 13 Weltcups gewonnen hatte.

„Es ist wichtig, dass man nicht versucht, etwas anders zu machen. Wenn ich meine Leistung abrufe, werde ich auch vorne dabei sein“, hatte Vogt vor dem Wettkampf erklärt. An diese Maxime hielt sie sich. Unaufgeregt und unbeeindruckt stürzte sie sich zu Tal.

Für Ulrike Gräßler, die drei Tage vor dem Wettbewerb noch mit Fieber im Bett gelegen hatte, war Vogts Medaille ein kleiner Trost. „52 Wochen im Jahr bin ich gesund und in der einen, wo es darauf ankommt, nicht. Das ist ein unbeschreiblich bitterer Moment“, haderte die Vizeweltmeisterin von 2009 über ihren 22. Platz.

Olympia-Küken Gianina Ernst, mit 15 Jahren die jüngste Sotschi-Teilnehmerin, hatte sogar erst am Dienstagmorgen grünes Licht für ihren Start erhalten. Von einer Erkältung geschwächt belegte die Schülerin den 28. Rang. „Gestern ging es mir noch sehr schlecht. Ich bin glücklich, dass ich überhaupt springen konnte“, sagte Ernst nach Sprüngen auf 90,5 und 87,5 Meter.

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