Ägypter Islam El Shehaby sorgt für Eklat
Kein Handschlag für den Israeli

Islamische Staaten tragen die Politik nach Rio. Israelische Sportler beklagen sich über Anfeindungen und Demütigungen. Das Internationale Olympische Komitee ist alarmiert.

Rio de JaneiroDer ägyptische Judoka Islam El Shehaby hat bei den Olympischen Spielen seinem Gegner aus Israel den Handschlag verweigert und damit empörte Reaktionen des Publikums ausgelöst. Die Zuschauer in Rio de Janeiro pfiffen und buhten am Freitag, nachdem El Shehaby sich nach seiner Niederlage in der ersten Runde gegen den Israeli Or Sasson kopfschüttelnd umgedreht hatte, anstatt die ausgestreckte Hand seines Gegners zu schütteln.

Die Verbeugungen vor dem Kampf und der Handschlag danach gehören bei Judo-Wettkämpfen zum Standard. Schwergewichtler El Shehaby war nach seiner Niederlage im Auftaktkampf der Klasse über 100 Kilogramm so enttäuscht, dass er nach dem Kampfende zunächst auf der Matte liegen blieb und die Hände vor das Gesicht schlug. Der Ägypter wollte sich anschließend nicht zu seinem umstrittenen Verhalten äußern.

Mark Adams, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees, wollte die Szene nicht kommentieren, bevor er sich nicht selbst ein Bild gemacht habe. „Dinge passieren im Eifer des Gefechts, die nicht akzeptabel sind“, sagte er. „Wir glauben, dass es in der Olympischen Bewegung darum gehen muss, Brücken zu bauen, niemals Mauern.“

Ein Sprecher von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, Ofir Gendelman, bezeichnte den Vorfall auf Twitter als „schockierend“. Die Aktion gehe „gegen den Geist der Olympischen Spiele“, kritisierte er.

Schon zuvor war es immer wieder zu Zwischenfällen gekommen. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Anti-defamation League beklagt in einer Stellungnahme eine generelle Feindseligkeit muslimischer Sportler gegenüber jüdischen Sportler. So hatte vergangenen Freitag der Führer der libanesischen Mannschaft israelische Teammitglieder physisch daran gehindert, einen offiziellen Shuttlebus zu den Eröffnungsfeiern zu besteigen. Man wolle nicht mit Juden zusammen in einem Bus fahren. Libanesische Politiker und Medien feierten am Tag darauf ihren Teamführer und lobten die Aktion. Die ADL verweist in Zusammenhang auch auf die Olympischen Spiele 1972 in München, wo palästinensische Terroristen elf jüdische Sportler ermordeten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
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