Der Wimbledon-Effekt
Warum die Vorherrschaft im Sport so häufig wechselt

Die Briten im Tennis, die Deutschen im Turnen oder die Amerikaner im Triathlon: den Urhebernationen von Sportarten wird früher oder später oft der Rang abgelaufen. Das nagt am Selbstbewusstsein, ist aber verständlich.

Rio de JaneiroIm Turnen hätte eigentlich immer nur Deutschland siegen dürfen. „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts die Bewegung begründete, hatte sich das so vorgestellt. Die Franzosen wären zu weichlich, die Russen zu wenig diszipliniert, die Engländer hätten Anderes in Kopf.

Den deutschen Männern aber, diszipliniert und regeltreu, müssten die akrobatischen Übungen, die Jahn sich ausdachte, gut zu Gesicht stehen. Indem die Jugend diese perfekt durchführte, sollte sich eine Generation für den nächsten Krieg in Europa stählen. Und diesen athletischen Vorteil dürfe man sich nicht nehmen lassen.

Nun stählen sich Turner heute nicht mehr für den Krieg, sondern für die olympischen Spiele, quasi dem Gegenteil. Aber trotz der olympischen Goldmedaille in Rio, die Fabian Hambüchen am Reck erturnte, würde sich Friedrich Ludwig Jahn wohl im Grab umdrehen, wenn er sähe, wie viel Boden die deutschen Turner schon verloren haben – sportlich gesehen.

Die USA, Großbritannien und Japan schnitten auch diesmal deutlich besser ab. Abgesehen von einer Goldmedaille im Trampolin 2004 war Hambüchens Sieg zudem der erste deutsche Olympiatriumph im Turnen seit 20 Jahren. Im historischen Vergleich steht Deutschland nur noch auf Platz zehn, viel bevölkerungsärmere Länder wie Ungarn oder die Schweiz sind weiter vorne. Deutschland ist im Turnen keine Weltspitze.

Für Patrioten ist das ein schweres Eingeständnis. Weltweit aber ist es ein typisches Muster: häufig geben die Länder, die einen Sport einst erfanden, früher oder später das Heft aus der Hand. Nur warum passiert das?

Ein Faktor, der die Deutschen noch nicht unbedingt entschuldigt, ist Zeit. Je länger die Entwicklung einer Sportart zurückliegt, desto besser konnten andere Länder aufholen. Das beste Beispiel sind die Leichtathletikdisziplinen, die überwiegend aus dem antiken Griechenland stammen.

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