Handelsblatt zieht Bilanz
Sponsoren, Zuschauer, IOC – so war Olympia

In der Nacht gingen in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele zu Ende. Wie war's? Was bleibt? Die Bilanz fällt je nach Bereich völlig unterschiedlich aus. Das Handelsblatt rechnet ab – in sechs Kategorien.

Die Zuschauer-Bilanz

Nach zwei Wochen Sendemarathon aus Rio de Janeiro wissen ARD und ZDF, wie schwierig es ist, die Fernsehzuschauer Tag für Tag 16 Stunden lang bei der  Stange zu halten. Schließlich haben die Öffentlichen-Rechtlichen für die Übertragungsrechte der Olympischen Sommerspiele aus Brasilien viel Geld ausgegeben. Und das muss – zumindest teilweise – ja wieder zurückfließen. Und sei es durch Werbeeinnahmen. Die Einschaltquote sollte also stimmen.

Aus Zuschauersicht dabei herausgekommen ist eine sonderbare Mischung aus fesselnden Wettkampfberichten von kompetenten Reportern, überraschenden Porträts, mitunter ziemlich belanglosen Interviews und seifenopernähnlichen Siegesfeiern im Fernsehstudio. Die spontane La Ola mit der verkaterten Crew des Deutschland-Achters am Morgen nach dem Gewinn der Silbermedaille, nein, das musste man wirklich nicht gesehen haben.

Doch mit den vielen Erfolgen, die die deutschen Athleten ab der zweiten Wettkampfwoche feiern konnten, nahm das Zuschauerinteresse deutlich zu. Gold für den Reckturner Fabian Hambüchen in der Dienstagnacht erlebten 7,4 Millionen Sportfans live. Sogar 8,5 Millionen waren es beim Sieg der deutschen Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst am frühen Donnerstagmorgen gegen Brasilien. Ähnlich viele Zuschauer – 8,25 Millionen – hatte das Finale der deutschen Fußballherren gegen Brasilien am Samstag. 

Apropos Brasilianer. Die einheimischen Zuschauer in den Stadien haben es uns Deutschen nicht leicht gemacht. Entweder war kein Mensch da, wie beim Damenfußball, beim Hockey oder bei den Reitveranstaltungen. Den offiziellen Angaben über Auslastungsquoten der Stadien von bis zu 85 Prozent mag man angesichts der vielen leeren Plätze kaum glauben. Dass sich die meisten Brasilianer die teuren Olympia-Tickets gar nicht leisten können und dass selbst bei den Spitzenspielen der brasilianischen Fußball-Liga etliche Plätze in den Stadien frei bleiben, sei nur am Rande erwähnt. Brasilien ist eben ein Fernsehland.

Oder die fehlende Fairness. Ausländische Athleten wurden gnadenlos ausgepfiffen, wenn sie es wagten, brasilianischen Sportlern eine Medaille wegzuschnappen. Die Tränen des favorisierten französischen Stabhochspringers Renaud Lavillenie über Silber waren echt, der Sieg des Brasilianers Thiago Braz da Silva ein Skandal. Und beides, leere Zuschauerränge und Pöbeleien wie sonst nur beim Fußball, sind nicht gut für das Premiumprodukt Olympia.

Das IOC hat versucht, den „sportlichen Wettstreit der Weltjugend“ als Hort des Schönen und Guten zu überhöhen. Trotz Doping und der zunehmenden Kommerzialisierung. Und so war es für die Berichterstatter ein ganz schmaler Grat: zwischen Sportbegeisterung auf der einen und tiefem Misstrauen auf der anderen Seite. 

Trotzdem haben Milliarden Zuschauer weltweit das Sportspektakel an den Bildschirmen verfolgt. 4,8 Milliarden waren es vor vier Jahren bei den Spielen in London, mehr dürften es auch in diesem Jahr nicht werden. Nun müssen die Öffentlich-Rechtlichen entscheiden, ob sie auch bei Olympia 2020 in Japan dabei sein wollen. Die europäischen Übertragungsrechte liegen jetzt erst einmal beim US-Medienkonzern Discovery Corporation mit seiner Tochter Eurosport. Billiger wird die Sache für ARD und ZDF wohl nicht.  Markus Hennes 

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