Medaillen-Dürre in Rio
Herzblut statt Edelmetall

Die deutschen Sportler warten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro noch immer auf eine Medaille. Die Funktionäre bitten, wie zuletzt in London, um Geduld – und setzen auf neue Bewertungskriterien.
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DüsseldorfDie deutsche Mannschaft feiert einen unrühmlichen Erfolg und knüpft an die Olympische Spiele von London im Jahr 2012 an: Auch am dritten Wettkampftag blieben die Sportler in Rio de Janeiro ohne eine einzige Medaille. Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann verpasste das Podest, Fahnenträger Timo Boll schied im Achtelfinale des Tischtennisturniers aus, Tennis-Profi Philipp Kohlschreiber musste wegen einer Stressfraktur im Fuß frühzeitig aufgeben.

Und das sind nur drei Beispiele von vielen. Der Start in die Olympischen Sommerspiele, „dass müssen wir klar sagen, ist nicht so wie wir uns das gewünscht haben, alles andere wäre schöngeredet“, sagte daher auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), in einem Interview. Der Funktionär wirbt eindringlich um „Geduld“, sieht sich aber in seiner vorolympischen Zurückhaltung bestätigt: „Es wird verdammt schwer“, resümierte der 55-Jährige. „Im Sinne der selbstkritischen Analyse muss man feststellen: Wir haben im Weltsport ein Niveau, das wir in zahlreichen Verbänden nicht mehr vollumfänglich mitgehen können.“

So weit so ehrlich. Doch die Summe der verpassten Chancen und Fehlschläge auch in Vorkämpfen trüben die Stimmung. Im Team selbst, aber auch bei den Zuschauern zuhause vor den Bildschirmen. Schon vor der Eröffnungsfeier hatte die deutsche Mannschaft einem befürchteten Fehlstart vorgebaut. DOSB-Sportchef Dirk Schimmelpfennig mahnte zu „Ausdauer“. Hörmann erklärte, dass es weniger um „die absolute Zahl von Medaillen“, sondern wieder mehr um „Charakter, Herzblut und Leidenschaft“ gehe.

Doch welche Ziele hatte sich der Verband eigentlich genau gesetzt? 44 Medaillen sollen es am Ende werden – genauso viele wie in London vor vier Jahren. Das deutsche Team umfasst genau 423 Sportler. Dass die Verantwortlichen – im Gegensatz zu Bundesinnenminister Thomas de Maiziere - keine Steigerung der Medaillenzahl erwarten, hat viele Gründe. Doch einer ist augenscheinlich und wird auch in Rio sichtbar: In vielen Sportarten sind deutsche Sportler schlichtweg nicht mehr in dem Maß konkurrenzfähig sind, wie es notwendig wäre.

Die Spiele in Brasilien, es sind deshalb auch die letzten vor der in Deutschland heftig diskutierten Leistungssportreform, die wieder für mehr internationalen Ruhm, Ehre – und vor allem Edelmetall sorgen soll. Derzeit liegt das Fördervolumen für den deutschen Spitzensport bei 160 Millionen Euro jährlich. In Zukunft wird es nicht darum gehen, die Summe zu erhöhen – sondern eben sinnvoller einzusetzen. So sollen künftig einzelne Sportler mit ihren entsprechenden Karriereaussichten gezielter gefördert werden als bislang und Gelder, die bis dato in Sportarten ohne Perspektive geflossen sind, stark gekürzt werden.

Auch Hörmann selbst denkt in Rio offen über andere Bewertungskriterien nach. Statt Medaillen fordert er Herzblut. Und Leidenschaft. Der Turner Andreas Toba, der trotz eines Kreuzbandrisses im Teamwettkampf der Turner noch zu seiner Übung am Pferd antrat und seiner Mannschaft damit den Finaleinzug möglich machte, sollte sich das genau notieren. Er hat eine Perspektive.

Kommentare zu " Medaillen-Dürre in Rio: Herzblut statt Edelmetall"

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  • Was soll dies denn heißen: H e r z b l u t????,
    hauptsache die Brieftasche wird gefüllt und neue Werbeaufträge kommen.
    Alles andere ist Kinderkram und Märchenstunde.

  • @Ramseyer
    Trotzdem kann man nicht darüber hinwegsehen, dass die europäische 80 Mio. Nation Deutschland im Gegensatz zu praktisch allen europäischen Nachbarn und mögen sie noch so klein sein (Belgien, Niederlande, Griechenland), keine einzige Medaille gewinnen konnte, obwohl schon fast 100 Medaillen vergeben worden sind. Ich finde das zwar auch nicht hochdramatisch, aber irgendwie bedenklich.

  • Die deutschen Sportler spielen gut mit. Bitte nicht kritisieren.

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