Olympia 2016
Rio ist noch immer eine Wundertüte

Zwar knirscht es an allen Ecken, die Finanznot in Rio wird in Krankenhäusern sichtbar. Aber vielleicht werden die Spiele nach all den Negativschlagzeilen eine Überraschung – dank der Begeisterungsfähigkeit der Menschen.

Rio de JaneiroMorgens um 6.30 Uhr entfaltet diese wunderbare Stadt ihren größten Reiz. Wie meinte schon der große Architekt Oscar Niemeyer: „Geraden sind langweilig“. Hier an der Copacabana in Rio de Janeiro hatte er sein Büro, wo die Natur in einer guten Laune eine wunderbare Kurve und geschwungene Hügel in die Bucht gezaubert hat. Jeder Morgen ist anders, mal der Himmel feuerrot, mal ein blau-weißer Wolkenteppich, der wie ein Gemälde wirkt. Dazu das Meeresrauschen.

Doch es ist etwas anders dieser Tage, wenn zum Sonnenaufgang noch alles eigentlich still ist, ein paar Jogger unterwegs sind oder Touristen fasziniert im Sand sitzen, die Augen schließen und die Sonne anbeten. Wie vom Himmel gefallen steht mitten auf dem breiten Sandstrand ein großer blauer Kasten. Darin zwölf große Räume mit Panoramafenstern - TV-Studios mit bestem Blick auf Meer, Bucht und Zuckerhut. Und einen Kilometer weiter viel Lärm schon frühmorgens.

Hier hängen Dutzende Arbeiter an dünnen Stahlkonstruktionen, sie bauen das Stadion, das einen der stimmungsvollsten Wettbewerbe in malerischer Kulisse beherbergen wird: Die temporäre Arena für Beachvolleyball. Einsam im Sand sammelt im orangenen Arbeitsdress Junior Neto den Müll ein.

„Die Spiele sind eine große Chance für Rio, damit mehr Touristen kommen“, meint er. „Aber ich sorge mich um die Sicherheit, es ist gefährlich hier.“ Was ihn besonders interessiert? Der Marathon. 1800 Reais (485 Euro) verdient er im Monat, aber wegen der schweren Finanzkrise flossen die Gehälter zuletzt oft verzögert.

Rio und Olympia: es ist wie eine Wundertüte. Brasilien droht aus den Top Ten der führenden Wirtschaftsnationen herauszufallen, gebeutelt von einer der tiefsten Rezessionen seiner Geschichte. Als man den Zuschlag bekam, galt Brasilien noch als das Boomland der Zukunft. Die Präsidentin Dilma Rousseff ist im Mai suspendiert worden, die Nachfolgeregierung von Interimspräsident Michel Temer hat unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen schon drei Minister verloren.

In der Olympiastadt gibt es an Universitäten und Krankenhäusern wegen fehlender Gelder Streiks, der Bundesstaat Rio de Janeiro leidet stark unter gesunkenen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft. Eine Finanzspritze der Regierung von über 750 Millionen Euro soll die Lage entschärfen - die Polizei drohte, ohne neue Finanzhilfen nicht für die Sicherheit garantieren zu können.

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