Olympia in Rio de Janeiro hat begonnen
Von Versprechungen und bitteren Wahrheiten

Bei den Olympischen Spielen will sich Brasilien der Welt als modern, reich und erfolgreich zeigen. Das wird kaum gelingen – trotz der atemberaubenden Kulisse Rios.

Rio de JaneiroMit einer gigantischen Show, Musik und Tanz und dem Einmarsch von über 200 Nationen in das Maracanã-Stadion haben Freitagnacht in Rio de Janeiro die XXXI. Olympischen Spiele begonnen. Es war ein gewaltiger Kraftakt für die brasilianische Millionenstadt. Ob er sich wirklich auszahlen wird, muss sich noch zeigen.

Als Rio vor sieben Jahren zum Austragungsort der Spiele gewählt wurde, da sah er seine Chance und griff zu: Eduardo Paes, der Bürgermeister von Rio de Janeiro erklärte Olympia zur Chefsache und verdrängte alle Gremien und Konkurrenten. Selbst der machtbewusste Präsident des brasilianischen Olympischen Komitees spielt nur noch eine Nebenrolle bei der Olympia-Vorbereitung. Er wolle als der Bürgermeister in die Geschichte Rios eingehen, der die Stadt am stärksten positiv verändert habe, wiederholt Paes regelmäßig.

Tatsächlich hat Paes die Stadt in einigen Vierteln völlig umgekrempelt, wie das nicht mehr geschehen ist, seitdem die Stadt 1960 ihre Funktion als Landeshauptstadt an Brasília abgeben musste – und das in einem Land, mit einer immensen Bürokratie, ohne planerische Tradition und nicht existierendem Langfristdenken. Es hat Rio gut getan. Das lässt sich jetzt etwa an der Hafenmole sehen: Wo früher eine hochgelegt Stadtautobahn die Sicht auf die Bucht versperrte und sich niemand in die Nähe der heruntergekommenen Lagerhallen an den Kais traute, ist jetzt ein breiter Boulevard für Fußgänger entstanden. Es gibt drei architektonisch beeindruckende Museen, und Bürger und Touristen flanieren bereits durch die Sonne, obwohl bis zur letzten Minute überall noch gegraben, gekachelt und geschweißt wird. Noch sind die Cariocas, also die Einwohner Rios, nicht an die breite Fußgängerzone gewöhnt. Ein Motoradfahrer fährt vor der neuen Straßenbahn vorweg, um Unfälle zu vermeiden. Überrascht registrieren die Passanten vergessene Prachtbauten aus den Zeiten der Weltausstellung von 1922. Das in Buenos Aires oder selbst São Paulo immer als etwas provinziell belächelte Rio de Janeiro besitzt auf einmal das Angesicht einer echten Metropole. Ein bisschen wie ein kleineres New York in den Tropen.

Auch beim wichtigsten Austragungsort des Olympiaparks könnte man mit etwas Phantasie den Vergleich zu Niemeyers eleganter Hauptstadt Brasília ziehen. Die Schnellbusslinien vom Flughafen bis in das Olympiaviertel, die neue Metrolinie, die Tunnel und Straßen – bei aller Kritik, die bei solchen Mammutprojekten immer auch auftaucht, könnte Rio sich tatsächlich für seine Bewohner nach dem Ende der Spiele deutlich positiv verändert haben.

Eduardo Paes wird nicht müde, die Cariocas von dem „positiven Erbe“ zu überzeugen, welches die Spiele hinterlassen würden: Dass er ihnen die Stadt zurückgegeben habe. Dass alle Projekte pünktlich zu Beginn der Spiele fertig geworden seien, ohne die Budgets zu sprengen. Dass das Gros der Milliardeninvestitionen vor allem private Investoren gestemmt hätten, der Staat nur 40 Prozent beisteuern musste. „Ich bin sicher, dass Rio sich durch die Spiele stärker positiv verändern wird als Barcelona“, wiederholt Paes beständig.

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