Olympisches Boxen
Von wegen Amateure

Das olympische Boxturnier ist erstmals für Profis geöffnet, dabei sind jedoch letztlich nur drei Nicht-Amateure. Für die ist es daher vielmehr das Signal, die eigene Kommerzialisierung voranzutreiben.

Rio de JaneiroAls Amnat Ruenroeng am Sonntag seinen ersten Gegner problemlos aus dem Ring geschickt hatte, roch es nach einer olympischen Wunderstory. Seine Boxkarriere hatte der Thailänder im Gefängnis vorangetrieben, wo er eine Strafe für einen Raubüberfall absaß. „Das Leben im Gefängnis hat mich verändert“, sagte er nach dem Kampf. „Du wirst diszipliniert und lernst, was richtig und was falsch ist.“ Ruenroeng wurde nicht nur Profi und Weltmeister im Fliegengewicht. Nach den Spielen von Peking 2008, wo er als Amateur angetreten war, kehrte Ruenroeng auch wieder zu Olympia zurück. „Als Profi verdienst du zwar mehr Geld.“ Aber eine olympische Medaille habe er eben noch nicht. Rio ist sein zweiter Anlauf – obwohl er eigentlich längst Profi ist.

Rio 2016 markieren die ersten Olympischen Spiele, bei denen im Boxen Amateure und Profis gegeneinander antreten. Lange war diskutiert worden, ob das ein kluger Schritt ist. Einigen galt das Boxen, in dem die anderswo längst aufgeweichte Trennung zwischen Amateur- und Profisport bis jetzt noch Bestand hatte, als letzte Bastion olympischer Ideale. Außerdem, so lauteten die ärgsten Befürchtungen, könnten die Amateure von den meist wuchtigeren Profis totgeschlagen werden. Durch Athleten wie Ruenroeng, zu dessen Biographie auch noch eine Zeit im Knast zählt, werde der Sport noch härter als ohnehin schon. Demnach wäre jetzt das letzte bisschen Unschuld verloren.

Dabei ist das Profidasein in keiner Disziplin derart verankert wie im Boxen. Gewissermaßen findet der Sport nun zurück zu seinen Wurzeln. In der Frühzeit der Industriellen Revolution, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, entwickelten sich moderne Boxkämpfe auf englischen Jahrmärkten. Obwohl sie eigentlich verboten waren, mauserten sie sich Dank der Begeisterung im Adel und sogar im Königshaus zu beliebten Anlässen. Und weil an den Wettumsätzen auch die Athleten beteiligt wurden, schafften viele den Aufstieg aus unteren Schichten und konnten sich ein komfortables Leben leisten, einige wurden Berühmtheiten.

Die erste Revolution des Sports brachte der Preisboxer Dan Mendoza Ende der 1780er Jahre. Vor ihm hatten die Gegner vor allem wild aufeinander eingeprügelt. Mendoza arbeitete als erster mit einer richtigen Deckung und reagierte strategisch auf die Bewegungen seines Gegenübers. Jahrelang blieb der englische Meister ungeschlagen und wurde zur Legende. So allerdings wurde der Sport auch derart populär, dass bald immer mehr Wettgelder bewegt wurden – und der Ruf des Sports unter geschobenen Kämpfen litt. Einige Jahrzehnte dauerte es, bis das Boxen seine Reputation zurückgewann, und mit seinen Profistrukturen auf andere Sportarten abfärben konnte.

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