Rio nach Olympia
Die Rückkehr der Drogenbanden

Für Olympia 2016 und die WM 2014 sind Brasiliens Brennpunkte wie die Favelas in Rio de Janeiro mit Macht befriedet worden. Doch Rio gilt nach wie vor als Drogenhauptstadt – und die Kartelle bringen sich in Stellung.
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Rio de JaneiroSie ziehen lustige Posen, lächeln in ihre Linsen, schauen drein wie unbeirrbar glückliche Menschen. Eine Fotoausstellung in Maré hat für Aufsehen gesorgt. Wann zuvor wurden schon mal Drogenabhängige mit Kameras ausgestattet, damit sie sich selbst ablichten und daraus Kunst wird? Und dann noch in Maré, einer der als so gefährlich und verschrienen Favelas. Das Fotoprojekt in einer umfunktionierten Lagerhalle dieses Slums zog sogar Besucher aus den reicheren Vierteln an. Denn irgendwie positiv dreinschauende Cracksüchtige, das klang sensationell. So, als könnte man das notorische Problem einfach hinter sich lassen.

Zumindest die Vorstellung daran ermuntert Viele in Rio. Oft wird Brasiliens zweitgrößte Stadt als weltweit größter Standort für Crack genannt, in Sachen Konsum und Herstellung. Offizielle des Gesundheitssystems riefen vor der Fußball-WM 2014 schon eine Epidemie aus. Durch die weltweite Aufmerksamkeit, die Brasilien und Rio durch die WM vor zwei Jahren und die Olympischen Spiele diesen Sommer erfuhren, hatte sich die Politik vorgenommen, die ärmsten Viertel von den Problemen um diese Drogen zu befreien.

Nach der Abschlussfeier der Olympischen Spiele am Sonntag wird sich die Welt aber wieder abwenden. Vergeht den Gesichtern aus der Ausstellung dann auch wieder das Lachen?

Das Drogenproblem war natürlich nie aus der Welt. Ein paar Straßen weiter von den exponierten Fotos in Maré sind die Bilder zu sehen, auf denen nicht posiert wird. Vor Häusern am Kantstein wird im regen Alltag Kokain und Crack auf Tischen verkauft, beschützt von bewaffneten Männern. Die Polizei ist weit und breit nicht zu sehen. Ganze Straßenabschnitte und sogar Viertel sind in Rio als „crackolandia“ bekannt – Cracklands. Hier taumeln lauter Leute durch die Gegend, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind. Sie holen sich einen Kick, ohne vor der Staatsgewalt bangen zu müssen. Denn so sehr sich die Regierung bemühte, die Zahl der Süchtigen geringzuhalten – immer wieder poppte woanders ein neuer Drogenhub auf.

Laut des Brasilianischen Instituts für Geographie und Statistik leben sechs Prozent der landesweiten Bevölkerung in Slums, also etwa zwölf Millionen. Der Großteil fällt auf Rio und Sao Paulo, die beiden größten Städte, deren Problemviertel zugleich besonders häufig unter Armut, Kriminalität und eben Drogenabhängigkeit leiden. Selbst wenn nur 0,5 Prozent dieser Bevölkerung cracksüchtig ist, wie einige Studien vermuten, sind das 60.000 Drogenopfer. Mehrere Favelas wurden in den letzten zwei Jahren „befriedet.“

Polizei und Militär eroberten die Kontrolle zurück, an den Straßen wurden Wachposten errichtet, die seitdem für Ordnung sorgen sollen. Manchmal fielen dabei Schüsse. Andere Gegenden, wie das 140.000-Einwohnerviertel Maré, standen oft nicht im Fokus der Sicherheitsaktionen. Doch auch oder gerade dann fallen Schüsse. Während der Olympischen Spiele bekriegten sich Banden in Maré, Menschen starben. Es soll um Crack gegangen sein.

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Eine Droge für die Armen

Kommentare zu " Rio nach Olympia: Die Rückkehr der Drogenbanden"

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  • RIO NACH OLYMPIA
    Die Rückkehr der Drogenbanden

    ....

    BRASIL schau in die Philippinen und wie man dort richtig die Dealer abschafft !

    BRASIL schaue nicht nach Europa wo Tony Blair in Afghanistan die Drogen felder bis heute noch nicht abgeschafft hat um die Kinder in Europa vor drogenhandel auf der Strassen Europas zu schützen.
    Blair hat vieles versprochen und nicht eingehalten !

    PORTUGAL will SCHANDHAFT sogar Drogen legalisieren ?

    Und die EU zählt die UMSÄTZE AUS EU-DROGENHANDEL zählt sogar zum BIP des jeweiligen EU-Mitgliedsland ?

    Alle wollen Moral haben, aber selbst innerhalb der EU gab es Politiker die einst Drogen konsumiert haben ? In Portugal ? Und regierten mit ?

    ARME WELT !!!

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