Versenkte Milliarden und Ruinen
Olympia als riskantes Investment

In der Zeit zwischen einer erfolgreichen Bewerbung und der Austragung der olympischen Spiele herrscht in den Austragungsorten Euphorie. Doch nur wenige Jahre später stehen viele Städte vor Ruinen und hohen Schulden.

BerlinAm Freitag werden in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Innerhalb von zwei Wochen werden dort über 300 Goldmedaillen vergeben. Das klappt nur, weil zur gleichen Zeit an zahlreichen Wettkampforten um die Medaillen gekämpft werden kann.

Im Copacabana-Stadium duellieren sich die Beachvolleyballer während im Olympiastadion Engenhão das olympische Fußballturnier ausgetragen wird. Im Tennis-Center treffen Weltstars aufeinander, im olympischen Kanu-Slalom-Stadion steht gleichzeitig eine der weniger bekannten Sportarten im Fokus.

Viele der olympischen Sportstätten wurden eigens für die Sommerspiele errichtet, manche Stadien und Hallen wurden aufwändig ausgebaut, um die Standards des Internationalen Olympischen Komitees zu erfüllen. Rund 10,5 Milliarden Euro soll Olympia 2016 kosten – wenn man neben den Veranstaltungskosten die Investition in die neuen Sportstätten, das Olympische Dorf und die Infrastruktur wie Flughafen und Metronetz dazu zählt.

Dass gleich der ganze Austragungsort auf ein neues Level gehoben wird, hat bei Olympischen Spielen Tradition: „Sportliche Großevents muss man als Instrument der Stadtentwicklung begreifen“, sagt Professor Alain Thierstein, der an der Technischen Universität München Raumentwicklung lehrt: „Die Austragung Olympischer Spiele ist oft ein Kraftakt, mit dem die Veranstalter ihre Stadt mit einem Mal stark weiterentwickeln wollen.“

Die Erfahrung zeigt jedoch: Bisher hat noch jedes Olympische Turnier das veranschlagte Budget gesprengt und weit höhere Kosten verursacht als ursprünglich geplant waren. Der erhoffte langfristige Nutzen für die austragende Stadt hielt sich dabei meist in Grenzen.

Montreal trug die Sommerspiele 1976 aus und ging darüber fast pleite. Die russische Küstenstadt Sotschi wurde für über 50 Milliarden Euro für die Winterspiele 2014 aufgebrezelt – ist heute aber wie ausgestorben. Viele Einrichtungen werden seit zwei Jahren nicht mehr genutzt und auch die neue Strandpromenade lockt längst nicht so viele Besucher an wie man erhofft hatte. Pekings imposantes Olympiastadion, in dem 2008 die Leichtathletik-Wettkämpfe stattfanden, wird heute allenfalls als Fotokulisse verwendet und steht seit acht Jahren leer. Immerhin soll das „Vogelnest“ für die Eröffnungsfeier der Winterspiele 2022 reaktiviert werden.

Das jedoch eklatanteste Beispiel für versenkte Investitionen sind die Olympischen Spiele von Athen. Nur zwölf Jahre nach der Abschlusszeremonie stehen nahezu sämtliche Sportstätten leer. Viele sind mittlerweile zu Ruinen verfallen. Das olympische Dorf sollte nach den Spielen als sozialer Wohnraum genutzt werden.

Aber auch daraus wurde nichts. Lediglich der eigens errichtete Flughafen, dessen U-Bahnverbindung mit der Stadt und die damals errichtete Ringautobahn werden heute noch von den Athener genutzt. Die ausufernden Kosten dieser Großprojekte haben jedoch ihren Teil zur Staatsschuld beigetragen, unter der die Griechen heute leiden.

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Barcelona hat seine Chancen genutzt

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