Weibliche Sporthelden: Geliebt, aber lausig bezahlt

Weibliche Sporthelden
Geliebt, aber lausig bezahlt

In Brasilien ist Marta Vieira da Silva ein Superstar. Tausende feierten die Fußballspielerin nach dem Viertelfinaleinzug bei Olympia. Doch außer Ruhm gibt es für sie nicht viel zu holen. Und damit steht sie nicht allein.

Rio de Janeiro„Marta ist besser als Neymar. Marta ist besser als Neymar.“ Noch 20 Minuten nach Abpfiff hallte dieser Ruf ein letztes Mal durch das Estádio Engenhão. Tausende waren auf ihren Plätzen verharrt, nach diesem fulminanten 5:1 der Brasilianerinnen gegen Schweden, Samstagabend in Rio. Der Viertelfinaleinzug beim olympischen Fußballturnier war sicher. Nun huldigten die Zuschauer erneut der besten Spielerin der Partie, der Besten Brasiliens, ja wahrscheinlich der Besten der Welt: Marta Vieira da Silva, oft einfach Marta genannt.

Marta, die Besungene, hatte soeben ihre Ehrenrunde beendet, strahlend, winkend, tanzend. Doch nun, als sie den Chor der Fans vernahm, zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, das Strahlen entwich den wachen Augen. So sehr sie die Ovationen für ihre zwei Tore und zwei Vorlagen genossen hatte, so sehr brachten sie die Zuschauer nun in Verlegenheit. Der Vergleich mit dem Stürmerstar des FC Barcelona, er war nicht in ihrem Sinne.

„Es ist unfair“, sagte Marta, nachdem sie der überbordenden Zuneigung der Zuschauer entkommen war, in den Katakomben des Stadions. „Neymar ist der beste Spieler unserer Zeit, wir sollten glücklich sein, ihn zu haben.“ Worte, die es nicht vor die Stadiontore schafften, wo die Fans weitersangen, weit nach Mitternacht.

Marta Vieira da Silva mag nicht verglichen werden, weder mit Neymar, noch mit Pelé. Dieser adelte sie einst, etwas holprig, als seiner selbst, nur etwas anders: „Pelé mit Rock“. Statistisch gesehen hat die drahtige, kleine Frau mit dem blondierten Zopf die Legende schon übertroffen, im Dezember schoss sie gegen Trinidad & Tobago ihr 96. Tor für die Seleção – eins mehr als Pelé.

Marta ist eine Ausnahmeerscheinung: Zwischen 2006 und 2010 gewann sie fünf Mal in Folge die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres, noch heute, mit 30 Jahren, dominiert sie das Spiel mit ihren Dribblings, Pässen, Finten. Nur eines, das hat Marta bis heute nicht geschafft: ihren Sport aus der Nische herauszuführen. Aus dem Schatten der Männer. Darüber können auch die etwa 45.000 Zuschauer im Olympiastadion von Rio nicht hinwegtäuschen, die ihr beim Sieg über Schweden zujubelten.

Um den Status des Frauenfußballs in Brasilien verstehen zu können, hilft ein Blick zurück ins Jahr 2011. Marta präsentierte ihre spektakulären Ballkünste damals bei Santos Futebol Feminino, der Frauenmannschaft des FC Santos. So lange, bis der Verein sie und ihre Mitspielerinnen vor die Tür setzte – das Geld sei knapp, es müsse gespart werden. Der Grund war offensichtlich: im Herrenteam hatte ein junger Spieler die Aufmerksamkeit vom FC Barcelona und Real Madrid auf sich gezogen. Sein Name: Neymar.

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