137. Deutsches Derby
Lord Udo, 4711 und der Derbykater

Sechzehn Pferde der edlen Rasse Vollblut kämpfen am Sonntag auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn um den Sieg im 137. Deutschen Derby. Die Geschichte des Gestüts Röttgen, das seit 1959 auf einen Sieg beim bedeutendsten Galopprennen hier zu Lande wartet.

HAMBURG. Drei Pferde (Dickens, Aspectus und Diarius) stellt am Sonntag allein das Gestüt aus Köln-Rath-Heumar. Hengst Aspectus mit Jockey Adrie de Vries geht mit der Nummer 1 auf der Satteldecke an den Start, als vermeintlich bestes Pferd im Feld. Denn Aspectus hat kürzlich das renommierte Oppenheim-Union-Rennen in Köln gewonnen.

Die 1 ist zwar nicht unbedingt ein gutes Omen; zum letzten Mal hat 1996 mit Lavirco aus dem Gestüt Fährhof ein Pferd mit dieser Nummer das Derby gewonnen. Doch für das Gestüt Röttgen spielt das keine Rolle, denn es plagen seit viel längerer Zeit Sorgen: zum letzten Mal gelang dem Gestüt ein Derbysieg im Jahr 1959, als Außenseiter Uomo mit Jockey Albert Klimscha gewann.

Vier Pferde aus Röttgen liefen damals, der pferdesportbegeisterte Bundesinnenminister hieß Gerhard Schröder (CDU), neben ihm auf der Tribüne saß die bildhübsche Maharani von Baroda in dekorativem gelb gekleidet und mit Millionenschmuck behangen. Aber auch der Derbyputz von Gestüt Röttgens Besitzerin Maria Mehl-Mülhens konnte sich sehen lassen: ein lila Shantung-Kostüm mit weißem Nerzkragen und Schleierhut mit Rose fiel nicht minder aus dem Rahmen.

Die pralle Sonne schien auf Hamburg-Horn und der Radioreporter hatte große Probleme, die vier Röttgener Pferde Waldcanter, Wettcoup, König Oscar und Uomo auseinander zu halten. Als er im letzten Moment den Sieger erkannte, ging der Stoßseufzer über den Sender: „Scheiße, Uomo hat gewonnen. . .“ Danach wurde das Thema Derby im Hause Röttgen zum Albtraum. Bis zum Tod von Maria Mehl-Mülhens 1985 sind nach dem Erfolg von Uomo insgesamt 28 Pferde aus Röttgen im Derby gelaufen, gewonnen hat keiner mehr. Bis heute sind es insgesamt 38 erfolglose Versuche.

Geschehen ist manch Kurioses: 1974 hat der englische Spitzenjockey William Carson mit Lord Udo das Ziel verwechselt, er vermutete das große Hufeisen vor dem Ziel als das Ende des Rennens, hielt das Pferd fast an und Marduk mit Joan Pall gewann. Maria Mehl-Mülhens war untröstlich: „Sogar der Herr Furler im Fernsehen hat gesagt, Lord Udo hätte gewonnen. Dann haben sie schnell eine Vergrößerung des Fotos gemacht und Marduk zum Sieger gemacht.“

Maria Mehl-Mülhens pflegte besondere Rituale. Vor allem, wenn sie ihre Gäste mochte, gab es schon am späten Morgen einen Whisky. Zum Mittagessen servierte das Personal die vorher erkundete Lieblingsdesserts der Gäste und stets nahm am Tisch ein Rauhaardackel aus der Zucht des für Röttgen zuständigen Frösters Platz. Beim Abschied gab es ein Paket mit Produkten des Hauses 4711 und Ehemann Rudi Mehl zählte zu den Zeitgenossen, die gern und hoch wetteten. Das hat er auch bei allen Röttgener Derbystartern nach Uomo versucht.

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