14 Kilometer bis zum Gipfel
500 000 Zuschauer wollen den Mythos erleben

Das Sahnehäubchen einer Tour de France ist und bleibt der Anstieg nach L´Alpe d´Huez. Auch am Dienstag wollen wieder eine halbe Million Zuschauer erleben, wie sich die besten Radfahrer der Welt die 14km nach oben quälen.

Hunderttausendfaches Public-Viewing auf dem Berg ist am Dienstag angesagt. Seit dem Wochenende belagern die Radsport-Fans die 14km lange Serpentinenstraße hoch nach L´Alpe d´Huez mit ihren Autos und Caravans. Wer am Montag noch den Berg hinauf wollte, musste sich durch Massen von Hobby-Bikern kämpfen, die den Anstieg bei strahlendem Sonnenschein vorab einmal selbst in Angriff nahmen. Am Dienstag wird sich "das größte Freiluft-Stadion der Welt" endgültig im Ausnahmezustand befinden, wenn die Tour de France zum 25. Mal einen Sieger in L´Alpe d´Huez sucht.

"Es gibt wohl keinen anderen Anstieg dieser Länge, an dem 500 000 Menschen Platz finden", meint Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der aus den vergangenen Jahren weiß, was ihn erwartet: "Entlang der gesamten 14km wird uns eine durchgehende La-Ola-Welle begleiten. Da kommt echte Gänsehaut-Atmosphäre auf."

Gänsehaut-Atmosphäre auf dem Berg

Die ersten 173km der 15. Etappe sind nur Vorgeplänkel für das spektakuläre Finale durch die berühmten 21 Spitzkehren hinauf ins 1860m hoch gelegene Ziel. Vom Beginn der Steigung in Bourg-d´Oisans geht es 1100m bergan bei 7,9 Prozent durchschnittlicher Steigung. "Natürlich gibt es schwerere Anstiege, aber Alpe d´Huez ist ein Mythos, der durch die Geschichte der Tour geprägt ist", sagt T-Mobile-Teamchef Olaf Ludwig, der das wohl bekannteste Etappenziel der Frankreich-Rundfahrt in seiner aktiven Zeit viermal erreichte.

Ein Triumph in "L´Alpe" gilt seit der ersten Tour-Stippvisite 1952 als Krönung für die Kletterspezialisten. Für jeden Sieger wurde in den Kehren eine Gedenktafel aufgestellt - von Fausto Coppi (1952) in der untersten bis Giuseppe Guerini (1999) ganz oben. Inzwischen hat man wieder unten begonnen, wo nun auch Lance Armstrong zweimal verewigt ist. Der Amerikaner gewann auch beim bislang letzten Tour-Gastspiel 2004, als er mit seinem Erfolg im Bergzeitfahren vor Jan Ullrich seinen sechsten von sieben Gesamtsiegen nahezu perfekt machte.

Ehrentafeln für die Sieger

Diesmal erwartet Ludwig hingegen noch keine Vorentscheidung im Kampf um den Toursieg. "Vielleicht wird der eine oder andere aus dem Kreis der Mitfavoriten herausfallen, aber keiner wird sich so absetzen können, dass ihm das Gelbe Trikot nicht noch zu nehmen wäre." Dennoch geht Ludwig von einem erneuten Führungswechsel aus: "Ich denke, dass Floyd Landis nach der Etappe wieder in Gelb ist."

T-Mobile Spitzenfahrer Andreas Klöden hat noch gute Erinnerungen an L´Alpe d´Huez, wo er vor zwei Jahren als Dritter des Zeitfahrens den Grundstein für seinen zweiten Gesamt-Platz legte. Doch auch für "alte Hasen" wie den 31-Jährigen birgt eine solche Etappe Unvorhersehbares: "Die drei Anstiege auf den letzten 100km machen die Etappe hammerhart. Und manch einer wird vielleicht auch durch den vorherigen Ruhetag aus dem Rhythmus gebracht."

Seinen jungen Fahrern, wie dem Kaarster Tour-Debütanten Markus Fothen, rät Holczer deshalb, locker die Herausforderung anzugehen: "Man muss dem Mythos die Schärfe nehmen und sich sagen, das es ein Berg wie viele andere ist. Die Stimmung, die dort herrscht, trägt einen vielleicht 300 Meter lang, aber dann spürt man die Anstrengung wie unter jedem anderen Gipfel."

© SID

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