52km rund um Rennes
Zeitfahren als erster "Showdown" der Favoriten

Bei der Tour de France steht heute das erste Kräftemessen im Kampf um den Gesamtsieg auf dem Programm. Im Einzelzeitfahren über 52km rund um Rennes müssen die Favoriten um Andreas Klöden erstmals Farbe bekennen.

Die Zeit des "Einrollens" ist vorbei. Mit einem langen Zeitfahren geht es auf der siebten Etappe der Tour de France heute für die Favoriten erstmals richtig zur Sache. Wer sich nach dem "Kampf gegen die Uhr" an der Spitze der Gesamtwertung wiederfindet, ist nach dem Ausschluss der einstmals gehandelten Siegkandidaten Jan Ullrich, Ivan Basso und Alexander Winokurow derzeit allerdings offener denn je.

"Natürlich denke ich daran, die Tour zu gewinnen", sagt Andreas Klöden vom Team T-Mobile. Eine Kampfansage klingt da gewiss anders. Durch den Ausschluss von Mannschaftskapitän Ullrich ist der Zweite von 2004 urplötzlich zum Hoffnungsträger des Bonner Rennstalls bei der 93. Frankreich-Rundfahrt geworden. Eine Woche nach dem Start ohne seinen in die Doping-Affäre verwickelten Freund will sich Klöden heute erstmals zeigen. "Für mich geht die Tour jetzt erst richtig los", sagt der Zeitfahrspezialist vor dem 52km langen Zeitfahren rund um Rennes in der Bretagne. Dort, wo ursprünglich Ullrich ins Gelbe Trikot fahren wollte, sollen nun Klöden und der Australier Michael Rogers in die Bresche springen.

Auf das Leader-Trikot hat es dabei vor allem Rogers abgesehen. "Mein Ziel ist es, nach dem Zeitfahren in Gelb zu sein", sagt der dreimalige Weltmeister in dieser Disziplin. Angesichts seiner nur 13 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Tom Boonen (Begien/Quick-Step), der nicht zu den besten Spezialisten zählt, ist die Gesamtführung für den 26-Jährigen greifbar nah: "Bislang konnte ich Kraft sparen. Ich fühle mich gut und werde alles tun, um an die Spitze zu kommen."

Für Klöden geht es aber eher darum, sich eine gute Ausgangsposition für die Berge zu schaffen: "Dort wird sich zeigen, wer um den Gesamtsieg mitfährt", meint der Olympia-Dritte von 2000, der nach der ersten Woche 36 Sekunden Rückstand auf Boonen aufwies. Abzuwarten bleibt, wie schwer sich Klödens Trainingssturz und die folgende Schulteroperation im März ausgewirkt haben. "Ich habe dadurch im Training sechs Wochen verloren. Meine derzeitige Form ist zwar schon ganz gut, aber noch steigerungsfähig", sagt er selbst. Dennoch ist er hoch motiviert: "Eigentlich sind wir hergekommen, um Jan zum Toursieg zu verhelfen. Jetzt kämpfen wir mit aller Kraft für ihn. Für mich ist er so lange unschuldig, bis jemand das Gegenteil beweist."

Auch wenn sie nur zu siebt ist, will die Mannschaft den Fight um den Gesamtsieg annehmen. "Die Moral war nach dem Aus von Jan und Oscar Sevilla natürlich am Boden, aber mit dem Etappensieg von Matthias Kessler am Dienstag ist sie zurückgekehrt", sagt Rogers. Auch er erwartet in den nächsten Tagen mehr Aufschluss über die schärfsten Konkurrenten um Gelb: "Nach dem Zeitfahren und der ersten Bergetappe werden wir klarer sehen."

Hincapie, Leipheimer, Savoldelli und Popowitsch gefordert

Nicht nur bei T-Mobile könnte der Kampf gegen die Uhr erste Hinweise auf die Rollenverteilung im Team geben. Bei Discovery wird vor allem George Hincapie (USA) die Nachfolge seines langjährigen Teamkapitäns Lance Armstrong zugetraut. Doch das US-Team hat im Italiener Paolo Savoldelli und dem Ukrainer Jaroslaw Popowitsch zwei weitere Kandidaten für vordere Gesamtplätze und will sich nicht zu früh in die Karten sehen lassen.

Gerolsteiner setzt vorerst weiter auf die Doppelspitze Levi Leipheimer (USA) und Georg Totschnig (Österreich), wobei Leipheimer der bessere Zeitfahrer ist. Gespannt ist man in der Eifel-Truppe auch auf Markus Fothen. Der U23-Zeitfahr-Weltmeister von 2003 hatte vor der Tour auf seiner Büttgener Heimatbahn noch einmal intensiv an der Sitzposition gefeilt: "Auch wenn man ganz gut ist, kann man sich immer noch verbessern."

© SID

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