75. WM-Titel für Österreich
Raich gewinnt Kombi-Gold bei der Ski-WM

Bode Miller sorgte mit seiner Show auf einem Ski für ein bewundertes Spektakel, Benjamin Raich für Österreichs Jubiläumssieg.

HB BORMIO/SANTA CATERINA. Mit dem Erfolg in der Kombination holte der 26-Jährige nicht nur seinen ersten großen Titel, sondern auch das 75. Weltmeisterschafts-Gold für die stärkste Alpin-Nation. Raich setzte sich am Donnerstag bei der WM im italienischen Bormio nach Abfahrt und zwei Slalomläufen in 3:19,10 Minuten deutlich vor Aksel Lund Svindal (3:20,01) aus Norwegen durch. Die Bronzemedaille ging an den Italiener Giorgio Rocca (3:20,08). Deutsche Rennfahrer waren in der Kombination nicht am Start.

"Ich bin überglücklich. Das ist ein perfekter Tag für mich", sagte Raich. Der "Blitz aus Pitz" krönte mit dem WM-Sieg seine Karriere und legte fünf Tage nach dem dritten Platz im Super-G sein Image als Bronze-Junge ab. Schon bei Olympia 2002 hatte er in Slalom und Kombination den dritten Rang belegt. Auch im Gesamtweltcup des Vorjahres war er hinter den Ski-Heroen seiner Heimat, Hermann Maier und Stephan Eberharter, Dritter geworden. Lediglich als WM-Zweiter im Slalom 2001 hatte er einmal Silber gewonnen.

Raich legte schon zur Mittagsstunde als guter Fünfter in der Abfahrt den Grundstein zum Sieg. Der zum Allrounder gereifte frühere Technikspezialist überholte dann im ersten Slalom problemlos den Abfahrtsbesten Michael Walchhofer (4.) und ließ sich auch unter Flutlicht den Sieg nicht mehr nehmen. Raich hatte bereits den einzigen Kombinations-Weltcup des Winters im Januar in Wengen gewonnen. Insgesamt stehen für ihn 15 Weltcup-Siege zu Buche.

Ermattet auf dem Hosenboden abgebremst

Für Bode Miller, Raichs vermeintlich schärfsten Konkurrenten, war die Chance auf das vierte WM-Gold schon nach 16 Sekunden beendet. Der Titelverteidiger aus Amerika erlebte nach seinem Erfolg im Super-G an einer vermeintlich leichten Stelle eine große Schrecksekunde, bewies aber sein großes Können. Mit Mühe verhinderte er einen Sturz, setzte seine Fahrt aber unter dem Jubel der Zuschauer auf einem Ski bis kurz vor dem Ziel fort. Miller, der bei allen Rennen antritt, verpasste somit die Möglichkeit, als erster Athlet bei einer WM sechs Medaillen zu gewinnen. "Dann sind es eben jetzt nur noch fünf", sagte er.

Erst nach mehr als zwei Minuten akrobatischer Fahrt zwischen Trotz und Arroganz musste der 27-Jährige sichtlich ermattet auf dem Hosenboden abbremsen. "Ich habe gemerkt, dass mir langsam die Kraft ausgeht, dann dachte ich mir, das ist genug Show", sagte Miller und entschwand in sein hinter dem Zielraum geparktes Wohnmobil, wo er sich zum Trost ein kühles Bier gönnte. "Ich wäre nicht auf einem Ski gefahren, das kostet zu viel Kraft", sagte Walchhofer. Bereits am Sonntag sind beide Favoriten auf den Titel in der Spezial-Abfahrt.

Martina Ertl will trotz nicht auskurierter Gehirnerschütterung die Kombination in Santa Caterina an diesem Freitag bestreiten. "Ich bin eh eine Kämpfernatur", sagte die Lenggrieserin. Schon vor vier Jahren war sie kaum von einem Bänderriss kuriert zum WM-Titel in der Kombination gefahren. Im Härtetest der Abfahrts-Qualifikation fuhr die 31-Jährige am Donnerstag auf Platz 25. Hilde Gerg konnte sich mit einem taktischen Bremsmanöver wie erhofft die vermeintlich günstige Nummer 17 für die Spezial-Abfahrt am Sonntag sichern. In ihrem letzten Einzelrennen bei einer WM hofft die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 auf eine Medaille.

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