9000 Polizisten im Einsatz
Turin hat Angst vor Terroranschlägen

Monatelang haben sich Polizei und Militär auf den Schutz der rund 5 000 Sportler und Funktionäre sowie der etwa eine Million erwarteter Zuschauer vorbereitet - Italien gilt wegen der Amerika-freundlichen Haltung der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi seit längerem als Zielobjekt islamistischer Terroristen.

HB TURIN. Unauffällig und diskret treten die Herren von der Sicherheit im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Turin (10.-26. Februar) auf. Es heißt, sogar auf den Pisten von Sestriere mischten sie sich bereits unerkannt unters Volk, elegant auf Brettern schwingend, natürlich in Zivilkleidung.

Rund 9 000 Polizisten sind mobilisiert, zudem sollen 2 500 Soldaten bereit stehen. Schon heute schieben Uniformierte in Stiefeln und mit Sturmgewehr vor den Eingängen der Stadien von Turin Patrouille, sind auf dem Turiner Flughafen Caselle präsent. Immer wieder hat Innenminister Giuseppe Pisanu in den vergangenen Monaten auf die Gefahren hingewiesen: "Die weltweite Aufmerksamkeit des Ereignisses und sein zeitliches Zusammentreffen mit der Wahlkampagne in Italien könnten bei terroristischen Organisationen für großes Interesse sorgen." Es gibt Kritiker in Italien, die meinen, zu viel der Warnungen könnte zur Verunsicherung von Zuschauern und Athleten führen. Und das sei auch nicht der erwünschte Effekt.

"Für die Zuschauer wird es Kontrollen geben wie auf einem Flugplatz vorm Einsteigen in die Maschine", meint ein Insider. Einzelheiten der Sicherheitspläne werden aber nicht veröffentlicht. Sicher ist, dass es eine besondere Überwachung des Luftraumes geben wird, auch die Nachbarn aus der Schweiz hätten da bereits Hilfe zugesagt. Gemeinsam mit US-Geheimdiensten, heißt es, würden eine "gewisse Anzahl" von Terrorverdächtigen im In- und Ausland überwacht. Zwar habe es in den vergangenen Monaten immer mal wieder Drohungen islamistischer Terrorgruppen gegen Italien gegeben. Aber konkrete Drohungen gegen die Winterspiele gebe es derzeit nicht, verlautet aus Sicherheitskreisen.

"Wir werden sehr auf den Erfahrungen der Sommerspiele in Athen 2004 und der Winterspiele von Salt Lake City 2002 aufbauen", meint ein Insider aus dem Sicherheitsbereich. Immer wieder sind vor allem in Norditalien in den vergangenen Jahren Mitglieder terroristischer Zellen festgenommen worden. Doch Innenminister Pisanu gibt sich zuversichtlich: "Die Polizeikräfte haben einen breiten und sorgfältigen Plan ausgearbeitet." Auch über die Kosten wird derzeit noch geschwiegen.

Neben dem Terrorismus gebe es noch eine weitere Gefahr: Seit Wochen machen Umweltschützer in der Region gegen den geplanten Bau einer Schnellbahnlinie Lyon-Turin mobil. Mehrmals legten die Demonstranten im Susa-Tal in der Nähe von Turin und Sestriere über Stunden den Verkehr lahm. Ob die Demonstranten einen "Waffenstillstand" für die Zeit der Spiele einhalten oder ob sie mit weiteren Aktionen die Olympischen Spiele stören wollen, lässt sich im Vorfeld nicht mit Bestimmtheit sagen.

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